Resolution | Sowjetische Kriegsopfer in NRW – Erinnerungsorte bewahren

20. Oktober 2026

Die Landesdeligierten bei der Abstimmung (Foto: Jochen Vogler)

Auf der Landesdeligiertenkonferenz der VVN-BdA NRW am 26.10.2026 in Oberhausen wurde ein Resolutionsantrag gestellt, mit der Forderung, sich für die Bewahrung der Erinnerungsorte Sowjetischer Kriegsopfer in NRW einzusetzen. Dieser Antrag wurde von den anwesenden Deligierten einstimmig angenommen und beschlossen.

Der inhalt der Resolution lautet:

In Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als 1.200 Friedhöfe, auf denen Menschen begraben sind, die während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeit leisten mussten. Die meisten von ihnen waren sowjetische Zivilarbeiter und Zivilarbeiterinnen und deren Kinder sowie sowjetische Kriegsgefangene. Viele dieser Orte sind heute kaum bekannt und drohen zu vergessenen Orten zu werden.

Das Ruhrgebiet war während des Zweiten Weltkriegs ein Zentrum der deutschen Kriegs- und Rüstungsproduktion. Mit dem Verlauf des Krieges gegen die Sowjetunion verschärfte sich der Arbeitskräftemangel durch die Einberufung von Männern zur Wehrmacht. Bereits 1941 forderte die Reichsvereinigung Kohle den Einsatz sowjetischer Kriegsgefangener. In der Folge wurden sowjetische Kriegsgefangene sowie Zivilarbeiterinnen und Zivilarbeiter in großer Zahl eingesetzt, insbesondere auch im Ruhrbergbau. Sie waren entrechtet, wurden rassistisch diskriminiert und unter menschenunwürdigen Bedingungen zur Arbeit gezwungen. Viele starben an Unterversorgung, Krankheiten, Arbeitsunfällen oder infolge von Bombenangriffen, denen sie weitgehend schutzlos ausgesetzt waren.

Die Toten wurden auf gesonderten Friedhöfen oder am Rand bestehender Friedhöfe begraben. Manche dieser Gräber sind sichtbar und haben Grabsteine. Andere Begräbnisstätten, insbesondere auf den Friedhöfen der großen Kriegsgefangenenlager, bestehen heute aus weitläufigen Rasenflächen ohne sichtbare Namen. Noch immer sind viele sowjetische Kriegsopfer nicht identifiziert. Es besteht daher die Verpflichtung, die Nachforschung nach ihrer Identität fortzusetzen. Archive in Deutschland und im Ausland bieten dafür vielfältige Möglichkeiten.

Friedhöfe sind Orte des Gedenkens für Angehörige und die Bevölkerung vor Ort. Die Gräber sowjetischer Kriegsopfer erinnern an Krieg, Zwangsarbeit und die Verbrechen der Naziherrschaft. Sie müssen dauerhaft würdig erhalten und gepflegt werden. Ihre historische Bedeutung muss durch angemessene Gestaltung, weitere Nachforschungen und sichtbares öffentliches Gedenken bewahrt werden. Wir rufen dazu auf regelmäßige Gedenkveranstaltungen, Namenslesungen und andere Formen des Gedenkens durchzuführen. Das Gedenken an die sowjetischen Kriegsopfer muss Teil einer lebendigen Erinnerungskultur in Nordrhein-Westfalen sein.

Wir fordern daher:

  1. Gräber und Friedhöfe sowjetischer Kriegsopfer würdig erhalten und pflegen
  2. Die Forschung nach den Namen sowjetischer Kriegsopfer fortsetzen
  3. Das öffentliche Gedenken stärken

Die sowjetischen Kriegsopfer sind Verfolgte des Naziregimes. Ihre Gräber dürfen keine vergessenen Orte sein.

Eine Übersicht Sowjetischer Friedhöfe in NRW finden Sie auf der folgenden Seite:
https://nrw.vvn-bda.de/category/gedenken/gedenkorte/freidhoefe-sowj-kriegsopfer-in-nrw/