»Antifaschismus muss mehr sein als Gedenkfeiern«

13. Oktober 2026

Die VVN–BdA NRW beging in Bochum ihr 80jähriges Bestehen. Ein Gespräch mit Falk Mikosch

Am 07.10.2026 veröffentlichte die Tageszeitung „Junge Welt“ unter der oben genannten Überschrift ein Interview mit dem Landessprecher der VVN-BdA NRW Falk Mikosch. Anlass dieses Gespräch war die Jubiläumsveranstaltung zum 80-jährigen bestehen der VVN-BdA NRW, die gemeinsam mit der Kreisvereinigung Bochum durchgeführt wurde. Dabei gab es Rückblicke in die Geschichte der VVN-BdA und es wurden Fragen zu den Aufgaben in der Zukunft analysiert.

Den Inhalt dieses Gesprächs können Sie sich hier ansehen.

Ansprache 80 Jahre VVN-BdA NRW (Bochum) Dr. Ulrich Schneider, FIR

13. Oktober 2026

Bei der gemeinsamen Jubiläumsveranstaltung der VVN-BdA Kreisvereinigung Bochum und der Landesvereinigung NRW hielt Dr. Ulrich Schneider folgende Rede:

Als ihr mich gebeten habt, die Festansprache zu halten, war klar, dass ich kein Referat zur Geschichte halten werde, wie ich es bereits vor fünf Jahren getan habe. Außerdem habt ihr mit der großartigen Dokumentation zu Geschichte der Landesvereinigung ein so umfängliches Material zusammengetragen, dass ich wenig Neues dazu beitragen könnte. Zudem wird Günter Gleising in einem kursorischen Überblick Aspekte eurer Geschichte nachzeichnen.

Daher möchte ich meinen Fokus in meiner heutigen Ansprache auf die vor uns stehenden Herausforderungen legen, und zwar nicht bezogen auf die tagespolitischen Aufgaben, sondern auf die Themen, die die Arbeit unserer Organisation in den kommenden Jahren bestimmen werden. Dass ich dabei auch an historischen Rückblicken nicht vorbeikomme, dürfte euch nicht überraschen.

Mein Ausgangspunkt ist, was eigentlich das „Alleinstellungsmerkmal“ der VVN ausmacht. Ihr wisst so gut wie ich – und viele leben das auch in ihrer politischen Arbeit – dass es nicht nur die VVN-BdA gibt, die gesellschaftlich gegen Rechtsentwicklung, Neofaschismus und für Frieden eintritt. So erinnern sich große Teile des DGB und seiner Einzelgewerkschaften deutlich klarer an die historischen Wurzeln der Gewerkschaftsbewegung nach der Zerschlagung der NS-Barbarei und die dort formulierten Grundlagen der Einheitsgewerkschaft – als Konsequenz aus der Niederlage der Arbeiterorganisationen, die gespalten agierten am Ende der Weimarer Republik.
Dennoch bleibt eine Organisation wie die VVN-BdA weiterhin unverzichtbar, ist sie doch der organisationspolitische Ausdruck des Vermächtnisses der Überlebenden und der Frauen und Männer aus Widerstand und Verfolgung. Sie sollte die Bewahrerin der politischen und gesellschaftlichen Werte, die im Rahmen des antifaschistisch-demokratischen Neubeginns entwickelt wurden, sein.

Ich erzähle euch nichts Neues, dass die Anfänge der VVN in allen vier Besatzungszonen – und damit auch im heutigen Territorium von NRW – in den regionalen antifaschistischen Komitees lag.
Wichtig als gemeinsame Grundlage für einen antifaschistisch-demokratischen Neubeginn waren den Frauen und Männern aus Widerstand und Verfolgung, aus dem Exil oder aus den Haftstätten, Vorstellungen, die nicht allein durch parteipolitische Forderungen geprägt waren, sondern Positionen enthielten, wie sie im „Schwur von Buchenwald“ und anderen Vermächtnissen der Überlebenden niedergelegt waren. Es ging darum, kein „Weiter so“ zuzulassen, sondern eine antifaschistisch-demokratischen Neugestaltung zu ermöglichen.
Die Komitees der Überlebenden stellten Anforderungen an eine demokratische Entwicklung, die sich nicht auf die Wiederzulassung von politischen Parteien beschränkten, sondern Forderungen nach gesellschaftlicher Kontrolle wirtschaftlicher Macht, nach Wohnung, Arbeit, Bildung und Absicherung des alltäglichen Lebens für alle, gegen soziale Ungerechtigkeit, gegen Armut und Not als Einfallstor für rechte Propaganda aufstellten. Es ging ihnen um eine sozial gerechte Gesellschaft, gegen Krieg und Faschismus, für wirkliche Demokratie.

Der besondere Charakter der VVN ergab sich aus ihrer Überparteilichkeit, die entstanden ist aus den gemeinsamen Erfahrungen der Verfolgung in den Lagern und Haftstätten, die sich auch ausdrückte in dem Aufbau von überparteilichen Widerstandszirkeln selbst in der Kriegszeit, von denen ich nur an Wilhelm Knöchel hier im Rheinland und Ruhrgebiet, an die Neubauer-Poser-Gruppe in Thüringen und Sachsen oder die Bästlein-Jacob-Abshagen-Widerstandsgruppe in Hamburg und Berlin exemplarisch erinnern möchte.
Diese Überparteilichkeit bedeutet nicht, dass nicht innerhalb der VVN Mitglieder der unterschiedlichen Parteien ihren Platz haben, zu denen selbstverständlich die Kommunisten – nicht zuletzt aufgrund ihres bedeutenden Anteils im antifaschistischen Widerstand – gehören, aber die VVN-BdA muss darauf achten, dass – bei aller Beziehungsnähe von Mitgliedern zu ihren jeweiligen Parteien – die VVN-BdA keinen zu engen Bezug zu einer Partei entwickelt. In der Organisation muss Platz sein für unterschiedliche gesellschaftspolitische Vorstellungen, solange sie sich auf die gemeinsamen Grundlagen beziehen können.

Ausgehend von dem Vermächtnis der Überlebenden muss der Zweiklang der politischen Botschaft des Jahres 1945 immer unsere gemeinsame Arbeit prägen: „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“
Ich muss in diesem Zusammenhang sicherlich nicht erläutern, welche Erfahrungen der Überlebenden in diese Kernbotschaften geflossen sind.
Die Losung im Kampf um die Bewahrung des Friedens. „Nie wieder Krieg!“ bedeutet dabei, sich für Entspannungspolitik, für Abrüstung und für die Beseitigung der Kriegsursachen einzusetzen. Krieg darf kein Mittel der politischen Konfliktlösung sein, Diplomatie und Dialog sind die Antworten, die es oftmals auch gegen die eigenen Regierungen durchzusetzen gilt. Dieser Grundsatz gilt – unabhängig davon, wie man die jeweiligen Kriege in der Welt einschätzt.
Nein, es ist kein Kriterium für Antifaschismus, dass man die Losung „Frieden mit Russland“ unterstützt, so richtig ich die darin enthaltene Aussage finde. Selbst die Losung „Freiheit für Palästina“ ist nur dann als gemeinsame Losung der VVN-BdA tragfähig, wenn sie sich auf die Vereinten Nationen – die Resolutionen des Sicherheitsrates und der Generalversammlung – bezieht. Selbstverständlich gibt es keine Rechtfertigung für Massenverbrechen, wie sie gegen die Menschen im Gaza-Streifen begangen werden, oder die Vertreibungspolitik in der Westbank.
Aber gemeinsame Grundlage antifaschistischer Orientierung kann in diesem Fall – wie im Fall aller anderen über 100 militärischen Konflikte weltweit – für uns, neben der Solidarität mit der Zivilbevölkerung in allen Kriegsregionen, die die Hauptleidtragenden dieser Konflikte sind – nur die Wiederherstellung und Wirksamkeit des Völkerrechts in den internationalen Beziehungen sein.
Aus den historischen Erfahrungen treten wir unter der Losung „Nie wieder Krieg!“ natürlich gegen alle Formen der Militarisierung, der Kriegsvorbereitung und Hochrüstung in unserem eigenen Land ein. Das ist eine Herausforderung, die uns noch viele Jahrzehnte begleiten wird. Es muss – auch von uns – deutlich gemacht werden, wie diese Aufrüstungspolitik durch die daraus folgenden Kürzungen bei den Sozialausgaben, im Bereich Gesundheit und Pflege oder im Bildungsbereich zur gesellschaftlichen Spaltung beiträgt. Der Kampf gegen die Hochrüstung ist damit nicht nur ein Handeln für Frieden, sondern auch für eine solidarische Gesellschaft, gegen soziale Spaltung und politische Ausgrenzungen.

Der Kampf gegen die soziale Spaltung ist auch ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Rechtsentwicklung und die Zunahme der extremen Rechten. Den Überlebenden der Lager und Haftstätten war schon 1945 klar, dass soziale Ungleichheit und Abstiegsängste ein Nährboden war, für die Aufnahmebereitschaft bei weniger politisch erfahrenen Menschen aus dem Kleinbürgertum, und selbst der Arbeiterbewegung, für die Heilsversprechen und „Verlockungen“ extrem rechter Propaganda. Und im Sinne der Überlebenden bleibt die Losung „Nie wieder Faschismus!“ politische Verpflichtung für unsere Arbeit, also der Kampf gegen alle Formen des Wiedererstarkens extrem rechter Kräfte und Parteien, gegen neofaschistische Gewalt und jegliche Formen faschistischer Ideologie (z.B. Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Intoleranz und Autoritarismus).

Ohne jetzt ein eigenes Referat zur AfD halten zu wollen, ist es in meinem Verständnis unstrittig, dass die politische Arbeit der VVN gemeinsam mit anderen Kräften der Zivilgesellschaft sich vorrangig gegen diese „Speerspitze“ der Rechtsentwicklung richten muss.
Ich hoffe, niemand meint, mich jetzt davon überzeugen zu müssen, dass doch die Umsetzer und Initiatoren der Aufrüstung und aller sozialen Grausamkeiten nicht die AfD, sondern die gegenwärtigen Bundes- und Landesregierungen mit allen sie tragenden politischen Parteien sind. Natürlich ist die AfD noch (wie lange noch) nicht in der politischen Verantwortung für diese Maßnahmen. Aber ihre Propaganda, ihre Vorstöße und ihr Auftreten trägt dazu bei, dass diese Rechtsentwicklung ideologisch und politisch durchsetzbar wird, indem die AfD mit „Remigration“, mit der Denunziation von Menschen in Not, von angeblich nicht zur „Volksgemeinschaft“ zählenden Bevölkerungsgruppen oder von Menschen mit anderen Lebensvorstellungen genau diese Feindbild-Propaganda vorantreibt. Sie „versprechen“ ihren Wählenden eine „heile Welt von früher“, die sie selbstverständlich nicht schaffen können, und vertiefen damit die gesellschaftliche Spaltung.
In diesem Sinne haben wir aktuell – und zu befürchten – noch längere Zeit mit der Auseinandersetzung mit der AfD zu kämpfen. Ob wir uns für ein Verbot der AfD – aus durchaus überzeugenden verfassungsrechtlichen Gründen – einsetzen oder meinen, dass dieser Weg – angesichts der gesamtgesellschaftlichen Situation – entweder zu langwierig oder zu wenig erfolgreich ist, kann man strategisch debattieren. Unstrittig ist jedoch, dass es für uns – aus historischen Erfahrungen – keine Toleranz oder Akzeptanz für diese politische Partei geben kann. Unsere Aussage: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“ bleibt auch gegenüber der AfD richtig und notwendig. Wir sind daher gegen jede Form des „Gewöhnungsprozesses“, wie er selbst in den öffentlich-rechtlichen Medien praktiziert wird, Medien, die seitens der AfD am liebsten aufgelöst werden sollen, wenn man sie nicht übernehmen kann. In diesem Falle können wir z.B. aus den Erfahrungen in Ungarn oder Polen lernen, welche verheerenden Auswirkungen das auf den gesellschaftlichen Diskurs hat.
Eine andere Frage ist es, wie wir es schaffen, Menschen, die die AfD gewählt haben oder sich von deren Propaganda ansprechen lassen, für unsere antifaschistisch-demokratische Gesellschaftsperspektive zu gewinnen. Das ist m.E. nicht nur eine Frage von Argumenten, sondern realer gesellschaftlicher Bewegungen für soziale Gerechtigkeit und Toleranz, gegen Militarisierung und Ausgrenzung, in die wir uns als VVN-BdA aktiv einbringen sollten.

Ich habe mein Referat mit Bezug auf das „Alleinstellungsmerkmal“ begonnen. Unser Alleinstellungsmerkmal ist auch, dass wir die Gedenk- und Erinnerungspolitik als Mahnung gegen das Wiederaufleben faschistischer Kräfte und Entwicklungen verstehen. Antifaschistische Erinnerungspolitik bedeutet für uns, sich für die Würdigung der Frauen und Männer aus dem antifaschistischen Kampf, die Verfolgten aus den verschiedenen Gründen einzusetzen, sie als Teil des gesellschaftlichen Narrativs zu bewahren.
Das sind wir der Gründergeneration der VVN schuldig, nachdem nun die Zeitzeugen selber uns nicht mehr zur Verfügung stehen. Ich verstehe diese Arbeit auch als moralische Verpflichtung unserer Organisation, die wir an alle kommenden Generationen weitergeben müssen. Viele von uns haben Überlebende noch selber kennen gelernt, wurden in ihrer politischen Sozialisation von diesen Begegnungen geprägt, haben sich auch aufgrund dieser Erfahrungen für eine Mitgliedshaft in der VVN-BdA entschieden. Das kann bei den heutigen Generationen, die sich für die Mitarbeit in der VVN-BdA entscheiden, nicht mehr vorausgesetzt werden. Daher ist die Bewahrung der Erinnerung an die Frauen und Männer aus Widerstand und Verfolgung, an die Orte und Erinnerungszeichen zum antifaschistischen Kampf eine dauernde Aufgabe in der Weitergabe des Wissens. Unsere Organisation hat dabei auch die Verpflichtung, dass die Befreiung und die Befreier von der nazistischen Barbarei ihre gesellschaftliche Anerkennung behalten.
Es ist – nicht allein durch die zeitliche Distanz – zunehmend herausfordernd, dieses historische Wissen weiterzugeben. Nicht nur durch die offene Rechte, auch durch ideologische Kampagnen bedingt, müssen wir gegen vielfältige Form von Geschichtsrevision, Relativierung und Rehabilitierung von NS-Verbrechen und deren Täter kämpfen, wie wir es in den vergangenen Jahren in zunehmenden Umfang registrieren müssen.
Ihr hier in NRW habt schon an mehreren Orten erfahren, dass frühere Präsentationen zu den Verantwortliche und Profiteuren der NS-Verbrechen „entsorgt“ wurden. Tatsächlich ist es mittlerweile auch ein „Alleinstellungsmerkmal“ der VVN in der Geschichtsarbeit, nicht nur die Opfer zu betrauern, sondern auch an die Täter, in deren Kontinuität zum Teil bis heute Krieg und Aufrüstung vorbereitet wird, zu benennen.

Diese Erinnerung ist eng verbunden mit unserer Arbeit mit den heutigen Generationen, denen wir versuchen, das politische Vermächtnis der Überlebenden und eine Wertschätzung für die Frauen und Männer aus dem antifaschistischen Kampf nahe zu bringen. Wir möchten sie unterstützen bei ihren Wegen der Aneignung der Geschichte und der Suche nach ihren Antworten für die Zukunft.

Nicht nur, weil ich als Generalsekretär der FIR zu euch spreche, möchte ich noch eine weitere Besonderheit der VVN-BdA – im Umfeld anderer sich antifaschistisch verstehender Gruppen und Kräfte – hervorheben. Die VVN ist seit der Gründung als Mitglied in der FIR Teil einer internationalen Gemeinschaft, der „Internationale des Antifaschismus“. Das bedeutet aber auch, dass wir bereit sein müssen, die große Heterogenität der politischen Vorstellung innerhalb der FIR auszuhalten. Genauso, wie die VVN selber eine Bündnisorganisation ist, ist auch die FIR eine überparteiliche Dachorganisation. Gegenüber kommenden Generationen ist es wichtig zu vermitteln, dass das Handeln gegen den Vormarsch gegen die extreme Rechte internationalistisch angelegt sein muss. Gleichzeitig aber auch, dass es in den jeweiligen Ländern unterschiedliche Kampferfahrungen und Handlungsoptionen gibt, die es innerhalb der FIR auszuhalten gilt. Natürlich tauschen wir uns dort darüber aus, aber es ist nicht angesagt, dass wir als VVN-BdA unsere strategischen Analysen und daraus abgeleiteten Handlungsformen den anderen Verbänden vorgeben wollen.
Unser Umgang miteinander kann nur – und das müssen wir auch immer wieder neu in der eigenen Organisation lernen – gleichberechtigt und solidarisch sein, aber das macht gerade den Wert und die Stärke der internationalen Verbundenheit aus.

Alles das gilt es in den kommenden Jahren zu bewahren und umzusetzen, wenn wir mit der VVN-BdA eine Zukunft auch für die kommenden Jahre und Jahrzehnte haben wollen. Dafür wünsche ich eurer Landesvereinigung Kraft, kreative Ideen und viele neue Mitstreiter.

Grußworte zum 80-jährigen Jubiläum

13. Oktober 2026

Am 26.09.2026 feierten die Kreisvereinigung Bochum und die Landesvereinigung NRW der VVN-BdA gemeinsam in der Bochumer KoFabrik ihr 80-jähriges Jubuläum. Dazu erhielten sie von zahlreichen Organisationen Grußworte und Glückwünsche zugesandt. Sehen Sie sich den jeweiligen Text durch Anklicken des entsprechenden links als pdf-Datei an.

Roma-Selbstorganisation für Teilhabe, Bildung und Kultur Rom e.V.

Bildungsgewerkschaft GEW NRW

Die Linke Landesverband Nordrhein Westfalen

DFG-VK, Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegdienstgegnerInnen LV NRW

Dennis Radtke, Mitglied des Europäischen Parlaments

Vereinigte Diensleistungsgewerkschaft (ver.di)

NRWSPD

Jubiläumsveranstaltung der VVN-BdA: 80 Jahre konsequent antifaschistisch, für Frieden.

29. September 2026

Pressemitteilung von Günter Gleising
Vorsitzender der VVN-BdA, Kreisvereinigung Bochum

Die VVN-BdA NRW und die Kreisvereinigung Bochum feierten ihr 80-jahriges Jubiläum in der KoFabrik Bochum. Hier: eine Fotoausstellung mit einem Rückblick auf die vergangenen 80 Jahre. (Foto: Jochen Vogler)

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimen – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) feierte unter dem Motto „80 Jahre konsequent für Frieden und Antifaschismus“ den 80. Jahrestag der Gründung ihrer Kreisvereinigung Bochum sowie der Landesvereinigung NRW mit einer großen Veranstaltung. In einer Halle in der früher Stahlträger für den Bergbau produziert wurden, erinnerten Redner und Kulturschaffende an die Bedeutung der VVN-BdA in einer Zeit großer politischer und gesellschaftlicher Zuspitzungen.

Der Sprecher der NRW-Landesorganisation, Falk Mikosch, der auch durch das Programm führte, bezog sich in seiner Einleitungsrede auf die Schülerstreiks gegen die Einführung der Wehrpflicht und den Skandal in Sachsen, wo in einer Gemeinde die CDU und die AfD beschlossen haben, das dort keine Stolpersteine mehr verlegt werden. Mikosch erklärte die Solidarität mit den zur gleichen Zeit stattfindenden Demonstrationen des DGB gegen den Sozialabbau.

Bochums Bürgermeister, Dr. Sascha Dewender, unterstrich in seinem Grußwort die jahrelange Zusammenarbeit der Stadt Bochum und der VVN-BdA in der Erinnerungsarbeit und der Gestaltung von Gedenkstätten.

Die große Anerkennung und der Dank für die jahrzehntelange Arbeit der VVN-BdA kam in weiteren mündlichen und schriftlichen Grußworten zum Ausdruck.

Die Landesleiterin der Dienstleistungsgewerkschaft, Gabriele Schmidt, schreibt: „In einer Welt, die sich derzeit instabil darstellt, ist die VVN-BdA unverzichtbar.“

Der Bundestagsabgeordnete Serdar Yüksel und der SPD-Landesvorstand NRW erklärten: „Wir als SPD möchten Ihnen allen für Ihr unermüdliches Engagement danken. Denn gerade in NRW ist das vielfältige Erinnerungs- und Bildungsengagement der VVN-BdA von großer Bedeutung. … Sie tragen historische Erkenntnisse weiter, geben den Opfern Namen und Gesicht.“

Die Bildungsgewerkschaft GEW schreibt „Erinnerungsarbeit und demokratische Bildung bleiben unverzichtbar und bilden die Grundlage dafür, dass junge Menschen aus der Geschichte lernen und Verantwortung für eine demokratische und solidarische Gesellschaft übernehmen können“.

Der CDU-Europaabgeordnete Dennis Radtke, schreibt wie wichtig es sei „die Lebensgeschichten der Verfolgten und Widerstandskämpfer wachzuhalten und die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus“ weiterzugeben. Und der Bundestagsabgeordnete Max Lucks (Grüne): „Ich schätze die Arbeit der VVN-BdA, und ich stehe an eurer Seite, wenn es um die Frage der Gemeinnützigkeit“ der VVN-BdA geht.

Auch in den Grußschreiben der DfG/VK, der MLPD und der Roma-Selbstorganisation wurden das Engagement, der Sachverstand und die konsequente Haltung der VVN-BdA gewürdigt.

In einer Grundsatzrede ging der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), Dr. Ulrich Schneider, auf die vor der VVN-BdA „stehenden Herausforderungen“ und die „Themen, die die Arbeit unserer Organisation in den kommenden Jahren bestimmen werden. Das „Alleinstellungsmerkmal der VVN“ ist „der organisationspolitische Ausdruck des Vermächtnisses der Überlebenden und der Frauen und Männer aus Widerstand und Verfolgung.“ Schneider betonte, daß in der Organisation Mitglieder der unterschiedlichen Parteien ihren Platz haben, zu denen selbstverständlich auch die Kommunisten – nicht zuletzt aufgrund ihres bedeutenden Anteils im antifaschistischen Widerstand – gehören.“

Der besondere Charakter der VVN-BdA ergibt sich aber aus ihrer Überparteilichkeit, die entstanden ist aus den gemeinsamen Erfahrungen der Verfolgung in der Lagern und Haftstätten.“ In der VVN-BdA „muss Platz sein für unterschiedliche gesellschaftspolitische Vorstellungen, solange sie sich auf die gemeinsamen Grundlagen beziehen können.“ Schneider bezeichnete die AFD als „Speerspitze der Rechtsentwicklung. Unsere Aussage: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“

Dr. Ulrich Schneider bei seiner Grundsatzrede (Foto: Jochen Vogler)

In einer Talk-Runde stellte der Bochumer Vorsitzende der VVN-BdA, Günter Gleising, Eckpunkte der 80 jährigen Geschichte dar. Über die Sammlung von Orten der Naziverbrechen, die Erfassung der Opfer und die ersten Darstellungen des Kampfes gegen das Naziregime, zog er eine Linie zu den (erfolglosen) Versuchen der Adenauerregierung die VVN zu verbieten und den jahrelangen „Verjährungsdebatten“ von Naziverbrechern, die schließlich in dem Gesetz über die Nichtverjährung von Mord endeten. Als großen Erfolg wertete Gleising, daß es 1969 gelang, nach großem Kampf von Hunderttausender den Einzug der NPD in den Bundestag zu verhindern. Die Bochumer VVN-BdA sieht sich, so Gleising, bestärkt in ihren Gedenkstättenarbeit und der Fortsetzung von ihre Angeboten wie Stadtrundgänge und die Stiftung von Stolpersteinen.

Talkrunde mit Günter Gleising und Falk Mikosch (Foto: Jochen Vogler)

Das Kulturprogramm mit dem Liedermacher Willy Karasch, dem Kabarettisten Jens Neutag und der Folkband Grenzgänger strich den Zusammenhang von politischen Kampf und Kultur heraus. Vor allem die Neuinterpretationen von revolutionären und antifaschistischen Liedern durch die Grenzgänger fand bei den gut 150 Anwesenden Anerkennung und löste viel Beifall aus.

Mit der Veranstaltung wurde die VVN-BdA bestärkt weiter für Frieden, Antifaschismus gegen Rassismus und „das Vergessen“ aktiv zu sein.

Einen weiteren Bericht und weitere Bilder von Jochen Vogler finden Sie auf der Seite von r-mediabase:
https://r-mediabase.eu/die-vereinigung-der-verfolgten-des-naziregimes-vvn-bund-der-antifaschistinnen-und-antifaschisten-bda-in-nrw-feiert-den-80-geburtstag/#more-102349

Folkband „Die Grenzgänger“ (Foto: Jochen Vogler)

Sprockhövel – Ausstellung „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“

21. September 2026

Zur Zeit läuft in Sprockhövel eine Ausstellung über Frauen, die im Nationalsozialismus Widerstand geleistet haben. Diese Ausstellung kann noch bis zum 28. September im evangelischen Gemeindehaus am Perthes-Ring besichtigt werden. Begleitet wird sie von Führungen und einer Filmvorführung von „In Liebe, Eure Hilde“

Ort: Evangelisches Gemeindehaus Bredenscheid-Sprockhövel, Perthes-Ring 18, 45549 Sprockhövel
Datum: 16.09. bis 28.09.
Anmeldung: nicht erforderlich
Preis: kostenlos

Weitere Infos zu dieser Veranstaltung finden Sie unter folgender Internetadresse:
https://www.sprockhoevel.de/stadtleben-und-aktuelles/aktuelles-aus-sprockhoevel/2026/september/frauen-widerstand/

oder bei der Stadt Sprockhövel:

Tel.: 02339 917-0
Mail: info@sprockhoevel.de

Friedenskonferenz, Essener City, 19.09.2026

13. September 2026

Vom Essener Netzwerk gegen Militarisierung wird am 19.09.2026 in der Essener Innenstadt eine Friedenskonferenz veranstaltet. Als Redner für die VVN-BdA NRW ist Falk Mikosch geladen.

Ort: Burggymnasium, Essen City, Am Burgplatz
Uhrzeit: 10 -17 Uhr

Hier sehen Sie den voraussichtlichen Zeitplan.

Diese Veranstaltung findet im Rahmen des Essener Friedensseptembers statt. Den Flyer dazu können Sie hier einsehen.

In dem Zusammenhang ist auch die Filmreihe „Leben braucht Frieden“ interessant, die vom Essener Friedensforum initiiert wurde.

Keinen Schritt zurück! Gegen AFD und rechte Hetze

9. September 2026

Demo am 12. Steptember 2026 in Düsseldorf

Anlässlich der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern rufen die Organisationen „NRW Verbot Jetzt – NRW Apell“, „PRÜF NRW“, und „Düsseldorf stellt sich quer“ zu einer gemeinsamen Demo am 12. September auf.

Datum: 12. September 2026
Start: 14 Uhr
Ort: Immermannhof, Düsseldorf

Links zu den Veranstaltern:
https://nrw-appell-afd-verbot.de/
https://duesseldorf-stellt-sich-quer.org/
https://pruef-demos.de/

Am 08. September hat bereits in Köln eine entsprechende Demo stattgefunden.
Bilder von dieser Demo finden Sie hier.

„antifa“ Länderseite NRW – Ausgabe September/Oktober

2. September 2026

Die aktuelle antifa-Zeitschrift Ausgabe der Länderseiten NRW vom September/Oktober 2026 finden Sie hier.

Anmerkung: Sollte der link nicht sichtbar sein, klicken Sie „… weiterlesen >>“

80 Jahre VVN-BdA NRW und Kreisvereinigung Bochum

14. August 2026

Auch 80 Jahre nach ihrer Gründung in Düsseldorf am 26. Oktober 1946 sind die Aufgaben der VVN entsprechend dem Schwur von Buchenwald vom 19. April 1945 hoch aktuell: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Die Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel!.“ Die wechselvolle Geschichte der VVN-BdA in Nordrhein Westfalen ist uns in diesem Jahrzehnt besonders zu Antifaschismus und Frieden eine Herausforderung. 
Trotz alledem sind 80 Jahre VVN in NRW auch ein Grund zum Feiern!

Mit einer gemeinsamen Kulturveranstaltung von VVN-BdA NRW und dem VVN-Kreisverband Bochum soll an die Gründung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) 1946 in Bochum und in Nordrhein-Westfalen erinnert werden. 1972 wurde die Organisation für alle Antifaschistinnen und Antifaschisten geöffnet und um den Zusatz Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten ergänzt.
 
Auf der Veranstaltung am 26. September 2026 in der KoFabrik in Bochum soll in Streiflichtern an die vergangenen 80 Jahre erinnert und ein Ausblick auf die Zukunft des Antifaschismus gegeben werden. Hierzu wird der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), Dr. Ulrich Schneider sprechen.
 
Auch ein vielfältiges Programm mit Kabarett, Liedermachern und der politischen Rock- und Folkband Grenzgänger aus Bremen ist geplant.

Beginn: 15 Uhr, Einlass 14:30 Uhr.
Ort: Quartiershalle, KoFabrik
Adresse: Stühmeyerstrasse 33, 44787 Bochum
freie Platzwahl

Als Eintrittskarten können Solikarten bei den VVN-Kreisvereinigungen oder bei der Landesvereinigung erworben werden. Die e-mail-Adresse der Geschäftsstelle der VVN-NRW lautet:

gsnrw@vvn-bda.de

Den zugehörigen Flyer mit weiteren Einzelheiten zu der Veranstaltung finden Sie hier.

Erinnerung im Rathaus an die Tagung der Ruhrlade vom 7. Januar 1933

15. Juli 2026

Es ging um die Machtübertragung an Hitler – Mahntafel befürwortet

Der  Dortmunder Ratsausschuss für Bürgerdienste, öffentliche Ordnung, Anregungen und Beschwerden hat sich am 7.7.26 mit dem Antrag der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten ( VVN-BdA) und des Bündnisses Dortmund gegen Rechts befasst, der die Schaffung einer Mahntafel vorsieht, die zum Inhalt hat: „Hier an der Ecke Eintrachtstraße/Hainallee stand die Villa Springorum. Es trafen sich darin am 7. Januar 1933 Franz v. Papen und führende Ruhrindustrielle der geheimen ‚Ruhrlade‘, um über die Machtübertragung an Hitler weiter zu beraten. Sie erfolgte am 30. Januar 1933, und viele Ruhrindustrielle unterstützten sie. Sie profitierten von Krieg, Zwangsarbeit und Antisemitismus.“

Helmut Manz begründete den Antrag namens der Antragsteller. Er erinnerte an die zigtausende Kriegsgefangenen und Zwansgarbeiter, die auf dem Westfalenhallengelände und anderen Orten in Dortmund Sklavenarbeit leisten mussten, was zu exorbitanten Profite der Ruhrindustriellen führte.

Die Motive der Antragsteller wurden von Stadtverordneten gewürdigt. Die Eingabe wurde einstimmig an den Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit zur weiteren Behandlung überwiesen. Helmut Manz hatte ausgeführt:

Ich bedanke mich für die Gelegenheit, heute hier für unseren Bürgerantrag zur Gedenktafel Hainallee sprechen zu dürfen. Wir haben beantragt in Anlehnung an die Mahntafel in Köln, die an das Hitler-Papen-Treffen in Köln am 4. Januar 1933 erinnert, eine Mahntafel in der Hainallee zu installieren. Dort traf sich Papen in der ehemaligen Villa Springorum am 7.Jannuar 1933 mit den Herren der Ruhrlade.

Zu unserem Antrag liegt eine vom Oberbürgermeister unterzeichnete Stellungnahme des Stadtarchivs vor, die eine Ablehnung empfiehlt. Diese Empfehlung ist sehr erstaunlich, weil die Stellungnahme selbst keine inhaltlichen Einwände gegen den beantragten Tafeltext vorträgt, sondern ihn im Gegenteil ausdrücklich bestätigt. Das werde ich nun für alle drei Sätze des beantragten Tafeltextes belegen. Ich beginne mit dem dritten Satz: „Sie“ – also „viele Ruhrindustrielle“ – „profitierten von Krieg, Faschismus und Holocaust.“ Wie nimmt nun die ablehnende Stellungnahme dazu Stellung? Ich zitiere: „Dass die Wirtschaft nach dem Beginn der Kanzlerschaft Hitlers gute Geschäfte mit der nationalsozialistischen Politik gemacht hat, ist unbestreitbar.“ Ich wiederhole: „unbestreitbar“!

Direkt darauf folgt nun in der Stellungnahme ein Satz, der wie ein Einwand klingt. Ich zitiere: „Daraus Schlüsse auf deren Einstellung vor 1933 zu ziehen, ist historisch aber nicht statthaft.“ Der vermeintliche Einwand muss sich auf den zweiten Satz unseres Antrags beziehen, obwohl dieser keine Schlussfolgerung aus dem dritten Satz ist. Er ist eine eigenständige Feststellung mit dem Wortlaut: „Viele Ruhrindustrielle unterstützten bereits vor 1933 die Ziele der Nazis.“
Ist diese Feststellung historisch richtig oder nicht? Das Stadtarchiv schreibt dazu, dass – ich zitiere -: „sich größere Teile der besonders krisengeschüttelten Schwerindustrie an Rhein und Ruhr (Bergbau, Eisen- und Stahlerzeugung) der NSDAP zuwandten.“ Da sich diese Feststellung auf die Zeit vor dem 30. Januar 1933 bezieht, kann auch der zweite Satz unseres Antrags als unumstritten gelten.

Ich komme nun zum ersten Satz: „Hier an der Ecke Eintrachtstraße/Hainallee in der Villa Springorum trafen sich am 7. Januar 1933 Franz von Papen und führende Ruhrindustrielle, um zur Machtübertragung an Hitler beizutragen.“ Auch dieser Satz bleibt einwandfrei – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die sogenannte Stellungnahme des Stadtarchivs nimmt zum Thema des Antrags – nämlich der Ruhrladetagung vom 7.1.1933 – überhaupt keine Stellung. Zu dem Dortmunder Treffen mit Papen an diesem Tag erfahren wir buchstäblich nichts außer, dass es angeblich nicht solch eine „ungeheur[e]“ historische Bedeutung wie das Kölner Treffen vom 4.1.1933 gehabt haben soll.

Dass das Dortmunder Stadtarchiv zu dem Dortmunder Treffen vom 7.1.1933 nichts sagen kann oder will, spricht nicht für das Stadtarchiv. Gegen unseren Antrag spricht es jedenfalls nicht.

Es ist nicht so, dass über dieses Treffen nichts bekannt ist oder dazu nie geforscht worden wäre. Die Berücksichtigung des Forschungsstands gehört zu den akademischen Mindestanforderungen wissenschaftlichen Arbeitens. Nicht sachgerecht und deshalb irreführend ist zudem der Versuch, das Kölner und das Dortmunder Treffen aus ihrem historischen Zusammenhang zu reißen und dann in ihrer historischen Bedeutung gegeneinander auszuspielen. Denn die historische Bedeutung der beiden Treffen folgt aus ihrem historischen Zusammenhang.

Die „ungeheure“ historische Bedeutung, die das Kölner Treffen vom 4.1.1933 heute hat, beruht darauf, dass der dort mit Hitler geschlossene Pakt in den folgenden Tagen und Wochen umgesetzt werden konnte. Ohne diese Umsetzung wäre der Pakt bloßer Plan geblieben und das Kölner Treffen hätte lediglich die historische Bedeutung einer Fußnote. Seine heutige historische Bedeutung verdankt es nicht zuletzt dem Dortmunder Treffen vom 7.1.1933.

Nach ihrem nicht geheim gebliebenen Geheimtreffen am 4. Januar in Köln brauchten Hitler und Papen dringend Unterstützung, um ihren eindeutig kriminellen Plan – die Beseitigung der verfassungsgemäßen demokratischen Ordnung durch die Bildung einer von Hitler geführten Regierung – in die Tat umsetzen zu können. Diese Unterstützung suchten beide am 7. Januar 1933 bei den Ruhrindustriellen. Hitler traf sich an diesem Tag mit Kirdorf in Mülheim und Papen mit der Ruhrlade in Dortmund. Hitler und Papen wussten beide sehr wohl, auf wessen Unterstützung sie unbedingt angewiesen waren.

Schließlich möchte ich noch auf einen sachlichen Fehler in der Stellungnahme des Stadtarchivs hinweisen. Die Behauptung,, dass sich „die führenden Industriemanager“ nicht bei Hindenburg „für Hitler verwandt … haben“, stimmt so nicht. Führende Industrieelle haben in einem Schreiben, das am 22.11.1932 im Büro des Reichspräsidenten eingegangen ist, ihre Unterstützung für eine Hitler-Regierung bekundet. Drei dieser Unterstützer – Albert Vögler, Paul Reusch und Fritz Springorum – waren am 7.1. 1933 Papens Gesprächspartner in der Villa Springorum.

Und nun noch zwei Sätze zu unserer heutigen historischen Verantwortung. Wenn wir dieser Verantwortung gerecht werden wollen, können und dürfen wir die Verschwörung gegen die erste deutsche Demokratie sowie die Installierung und Etablierung der faschistischen Schreckensherrschaft nicht einfach wie längst verjährte Kavaliersdelikte abtun. Das mahnende Gedenken an diese Kapitalverbrechen sind wir uns selbst, unserer Demokratie und -vor allem – den Opfern des Faschismus schuldig.

Zur Vorgeschichte der Eingabe

Angeregt wurden wir zu unserem Antrag durch ein Projekt aus dem Jahre 1996 der Stadt Köln. Damals wurde dort am Hause Stadtwaldgürtel 35 ein Schild geschaffen mit dem Text:

„Hier, im Haus des Privatbankiers Kurt Freiherr von Schröder, trafen sich am 4. Januar 1933 Adolf Hitler und Franz von Papen, um über eine Regierungsbildung zwischen Nationalsozialisten und Rechtskonservativen zu beraten. In einem Gespräch wurden die Weichen für Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 gestellt und die Voraussetzungen für die menschenverachtende Diktatur der Nationalsozialisten geschaffen. Kurt von Schröder unterstützte bereits vor 1933 die Ziele des Nationalsozialismus und organisierte nach 1933 finanzielle Leistungen der deutschen Wirtschaft an die SS.“

Über die Rolle der Treffen Hitlers und von Papens am 4. und 7. Januar 1933 gibt eine Aussage in dem Nürnberger IG-Farbenprozess nach 1945 Auskunft. Bankier Kurt von Schröder sagte vor dem Nürnberger Gericht aus: »Die allgemeinen Bestrebungen der Männer der Wirtschaft gingen dahin, einen starken Führer in Deutschland an die Macht kommen zu sehen, der eine Regierung bilden würde, die lange an der Macht bleiben würde. …  Als die NSDAP am 6. November 1932 ihren ersten Rückschlag erlitt und somit ihren Höhepunkt überschritten hatte, wurde eine Unterstützung durch die deutsche Wirtschaft besonders dringend. …  Ein gemeinsames Interesse der Wirtschaft bestand in der Angst vor dem Bolschewismus und der Hoffnung, dass die Nationalsozialisten – einmal an der Macht – eine beständige politische und wirtschaftliche Grundlage in Deutschland herstellen würden. … In diesem Zusammenhang sind zu erwähnen: eine von Hitler projektierte Erhöhung der deutschen Wehrmacht von 100.000 auf 300.000 Mann…« b.w.

Erklärung vom 7.1.26: https://kpf.die-linke.de/mitteilungen/detail/news/fuer-eine-mahntafel-zur-ruhrlade-tagung-vom-7-januar-1933/

Verantwortlich: Ulrich Sander, Dortmund, VVN-BdA

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