VVN-BdA-NRW – Landesdelegiertenkonferenz tagte in Oberhausen

20. Oktober 2026

Landessprecher/innen Silvia Rölle und Falk Mikosch (Foto: Jochen Vogler)

Ein Bericht von Ulrich Sander

80 Jahre konsequent antifaschistisch, antimilitaristisch und keinen Schritt zurück! Unter diesem Motto fand im Haus Union in Oberhausen am 17. Oktober die Landesdelegiertenkonferenz der VVN-BdA von Nordrhein-Westfalen statt. Es wurde dazu aufgerufen, den verstärkten gemeinsamen Kampf unter der Losung „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ zu führen. Dem diente ein beschlossener Aktionsplan. Der bessere mediale Auftritt der VVN-BdA, auch mit ihrer Zeitschrift „antifa“ und mit dem Wirken in sozialen Medien wurde ausführlich erörtert. Es geht auch, so ein Beschluss, um die wirkungsvolle Herausgabe von Flyern zur Werbung und Information von Mitgliedern. Die geplante Schaffung von Zentralregistern für sogenannte psychisch kranke „Gefährder“ wurde entschieden verurteilt. Ganz im Vordergrund stand die Unterstützung der Schülerbewegung gegen die Wehrpflicht. Mit großem Beifall wurde die Rede von Caro, der Vertreterin der Bewegung der Schulstreiks und der SDAJ, aufgenommen. Hannelore Tölke aus Dortmund legte den Entwurf einer Resolution „Sowjetische Kriegsopfer in NRW – Erinnerungsorte bewahren“ vor, der einstimmig angenommen wurde.

In den geschäftsführenden Landesvorstand wurden gewählt: Die im Amt bestätigten Landessprecher Falk Mikosch (Düsseldorf) und Silvia Rölle (Mülheim) und ferner Gisela Blomberg (Düsseldorf), Anke Georges (Dortmund), Maike Hiller (Dülmen), Petra Lindenau (Solingen), Doris Michel (Duisburg), Carsten Peters (Münster), Isaak Rose (Münster), Georg Sitterz (Neuss), Ortwin Swiderski (Dülmen) und Jochen Vogler (Wuppertal).

Weitere Fotos zu der Veranstaltung finden Sie auf der folgenden Seite:
https://nrw.vvn-bda.de/2026/10/19/landesdeligiertenkonferenz-2026-in-oberhausen/

Den Text der Resolution „Sowjetische Kriegsopfer in NRW – Erinnerungsorte bewahren“ finden Sie unter folgendem Menüpunkt:
https://nrw.vvn-bda.de/2026/10/20/resolution-sowjetische-kriegsopfer-in-nrw-erinnerungsorte-bewahren/

Resolution | Sowjetische Kriegsopfer in NRW – Erinnerungsorte bewahren

20. Oktober 2026

Die Landesdeligierten bei der Abstimmung (Foto: Jochen Vogler)

Auf der Landesdeligiertenkonferenz der VVN-BdA NRW am 26.10.2026 in Oberhausen wurde ein Resolutionsantrag gestellt, mit der Forderung, sich für die Bewahrung der Erinnerungsorte Sowjetischer Kriegsopfer in NRW einzusetzen. Dieser Antrag wurde von den anwesenden Deligierten einstimmig angenommen und beschlossen.

Der inhalt der Resolution lautet:

In Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als 1.200 Friedhöfe, auf denen Menschen begraben sind, die während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeit leisten mussten. Die meisten von ihnen waren sowjetische Zivilarbeiter und Zivilarbeiterinnen und deren Kinder sowie sowjetische Kriegsgefangene. Viele dieser Orte sind heute kaum bekannt und drohen zu vergessenen Orten zu werden.

Das Ruhrgebiet war während des Zweiten Weltkriegs ein Zentrum der deutschen Kriegs- und Rüstungsproduktion. Mit dem Verlauf des Krieges gegen die Sowjetunion verschärfte sich der Arbeitskräftemangel durch die Einberufung von Männern zur Wehrmacht. Bereits 1941 forderte die Reichsvereinigung Kohle den Einsatz sowjetischer Kriegsgefangener. In der Folge wurden sowjetische Kriegsgefangene sowie Zivilarbeiterinnen und Zivilarbeiter in großer Zahl eingesetzt, insbesondere auch im Ruhrbergbau. Sie waren entrechtet, wurden rassistisch diskriminiert und unter menschenunwürdigen Bedingungen zur Arbeit gezwungen. Viele starben an Unterversorgung, Krankheiten, Arbeitsunfällen oder infolge von Bombenangriffen, denen sie weitgehend schutzlos ausgesetzt waren.

Die Toten wurden auf gesonderten Friedhöfen oder am Rand bestehender Friedhöfe begraben. Manche dieser Gräber sind sichtbar und haben Grabsteine. Andere Begräbnisstätten, insbesondere auf den Friedhöfen der großen Kriegsgefangenenlager, bestehen heute aus weitläufigen Rasenflächen ohne sichtbare Namen. Noch immer sind viele sowjetische Kriegsopfer nicht identifiziert. Es besteht daher die Verpflichtung, die Nachforschung nach ihrer Identität fortzusetzen. Archive in Deutschland und im Ausland bieten dafür vielfältige Möglichkeiten.

Friedhöfe sind Orte des Gedenkens für Angehörige und die Bevölkerung vor Ort. Die Gräber sowjetischer Kriegsopfer erinnern an Krieg, Zwangsarbeit und die Verbrechen der Naziherrschaft. Sie müssen dauerhaft würdig erhalten und gepflegt werden. Ihre historische Bedeutung muss durch angemessene Gestaltung, weitere Nachforschungen und sichtbares öffentliches Gedenken bewahrt werden. Wir rufen dazu auf regelmäßige Gedenkveranstaltungen, Namenslesungen und andere Formen des Gedenkens durchzuführen. Das Gedenken an die sowjetischen Kriegsopfer muss Teil einer lebendigen Erinnerungskultur in Nordrhein-Westfalen sein.

Wir fordern daher:

  1. Gräber und Friedhöfe sowjetischer Kriegsopfer würdig erhalten und pflegen
  2. Die Forschung nach den Namen sowjetischer Kriegsopfer fortsetzen
  3. Das öffentliche Gedenken stärken

Die sowjetischen Kriegsopfer sind Verfolgte des Naziregimes. Ihre Gräber dürfen keine vergessenen Orte sein.

Eine Übersicht Sowjetischer Friedhöfe in NRW finden Sie auf der folgenden Seite:
https://nrw.vvn-bda.de/category/gedenken/gedenkorte/freidhoefe-sowj-kriegsopfer-in-nrw/

Friedhöfe sowjetischer Kriegsopfer in NRW

20. Oktober 2026

In jeder Stadt und Gemeinde im Münsterland, im Sauerland, im Ruhrgebiet, im Rheinland und in Ostwestfalen gibt es einen oder mehrere Friedhöfe, auf denen sowjetische Kriegsopfer begraben sind. Insgesamt sind in Nordrhein-Westfalen mehr als 1.200 Friedhöfe mit Gräbern sowjetischer Kriegsopfer bekannt. Diese Zusammenstellung zeigt 20 dieser Friedhöfe. Die Website „Sowjetische Memoriale“ ermöglicht es aber, gezielt nach solchen Friedhöfen am eigenen Wohnort und in der näheren Umgebung zu suchen.

https://www.sowjetische-memoriale.de -> Übersicht -> Nordrhein-Westfalen

  1. Schloß Holte-Stukenbrock Sowjetischer Ehrenfriedhof / Sowjetischer Soldatenfriedhof
    33758 Schloß Holte-Stukenbrock, Senner Straße
    Ehrenfriedhof von 65.000 sowjetischen Kriegsgefangenen

  2. Bochholt Lagerfriedhof des Stalag VI F / Russischer Friedhof
    46395 Bocholt, Vardingholter Straße
    Grabstätte für 1.736 sowjetische Kriegsgefangene.

  3. Hamm Grabanlage / Südenfriedhof,
    59063 Hamm, Werler Straße,
    Grabstätte für 458 Opfer

  4. Herten Grabanlage / Waldfriedhof
    45699 Herten, Ewaldstraße
    Grabstätte für 1.266 sowjetische Opfer

  5. Bochum «Hauptfriedhof»
    44777 Bochum, Immanuel-Kant-Str.
    Grabstätte für 1359 sowjetische Opfer

  6. Dortmund «Internationaler Friedhof»
    44143 Dortmund, Rennweg 117
    Grabstätte für etwa 5000 sowjetische Opfer

  7. Düsseldorf «Am Gallberg»
    40625 Düsseldorf, Bergische Landstr.
    Grabstätte für 1500 sowjetische Opfer

  8. Düsseldorf «Friedhof Gerresheim»
    40625 Düsseldorf, Quadenhofstrasse 151,
    Grabstätte für 507 sowjetische Opfer.

  9. Duisburg Grabanlage / Städtischer Friedhof
    47167 Duisburg-Schmidthorst, Fiskusstr.
    Grabstätte für 607 sowjetische Opfer

  10. Hemer Lagerfriedhof des Stalag VI A
    58675 Hemer, Höcklingser Weg.
    Grabstätte für 3500 sowjetische Opfer

  11. Hemer Lagerfriedhof des Stalag VI A
    58675 Hemer, Duloh/Mühlenweg
    Grabstätte für etwa 6000 sowjetische Opfer

  12. Köln «Friedhof West»
    50829 Köln, Venloerstr.1132
    Grabstätte für 728 sowjetische Opfer

  13. Gelsenkirchen Friedhof «Horst-Süd»
    45899 Gelsenkirchen, Am Schleusengraben 11
    Grabstätte für 884 sowjetische Opfer

  14. Gelsenkirchen Hauptfriedhof «Gelsenkirchen-Erle»
    45894 Gelsenkirchen, Ortbeckstraße 2
    Grabstätte für 260 sowjetische Opfer

  15. Gelsenkirchen-Hüllen Grabanlage / Ostfriedhof
    45879 Gelsenkirchen-Hüllen, Erdbrüggenstraße
    Grabstätte für 264 sowjetische Opfer

  16. Simmerath Grabanlage / sowjetische Kriegsgräberstätte
    52152 Simmerath-Rurberg, L 166, Richtung Kesternich
    Grabstätte für 2322 sowjetische Opfer

  17. Essen «Südwestfriedhof»
    45149 Essen, Fulerumer Straße
    Grabstätte für 2437 sowjetische Opfer

  18. Essen «Terrassenfriedhof»
    45359 Essen, Kaldenhoverbaum
    Grabstätte für 2122 sowjetische Opfer

  19. Oberhausen «Westfriedhof»
    46049 Oberhausen, Emscherstraße 92
    Grabstätte für mehrere 100 sowjetische Opfer

  20. Recklinhausen «Nordfriedhof»
    45657 Recklinghausen, Franz-Bracht-Straße
    Grabstätte für 152 sowjetische Opfer

Gedenkorte zu den Naziverbrechen – Erinnerungsfahrt am 10. Oktober 2026

19. Oktober 2026

Die VVN-BdA Landesvereinigung NRW war unterwegs an Gedenkorten in Dortmund – Herten – Castrop-Rauxel – Essen

Ein Bericht von Uli Sander

Freundinnen und Freunde der Landesorganisation der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschist/innen waren wieder mit dem Bus auf Gedenk-Tour.

Mit 15 Leuten waren wir diesmal unterwegs. Thema der Tour war: Wie zeigt sich das Gedenken an die Opfer faschistischer Gewalt der Nazi-Zeit und der Nachkriegszeit im öffentlichen Raum? – Start der Tour war in Dortmund. Dabei wurde an eine noch immer fehlende Mahntafel am Gelände der ehemaligen Villa Springorum erinnert. Dort fand am 7.1.1933 ein entscheidendes Vorbereitungstreffen zur Machtübertragung an die Nazipartei und Hitler statt. Teilnehmer dieses Treffens waren damals die Unternehmer der Ruhrlade und Franz von Papen.

Die politische Entscheidung für eine solche Tafel wird immer wieder verschoben und vertagt.

Eindrucksvoll war der Bericht von Katharina Ruhland am Mahnmal zu den NSU-Opfern im Umfeld der Steinwache. Bis zur Selbstenttarnung der NSU-Mörderbande zielte die Ermittlungsarbeit zu den Morden vor allem gegen das familiäre Umfeld der Mordopfer. Katharina Ruhland schilderte den Kampf der Familie von Mehmet Kubasik – der in Dortmund in seinem Kiosk 2006 ermordet wurde – und der Solidaritätsgruppen für ein würdiges Gedenken im öffentlichen Raum in Dortmund.

Auf dem Friedhof in Dortmund-Derne berichteten Hannelore Tölke und Dmitriy Kostovarov über Schicksale in Dortmund durch die Zwangsarbeit umgekommene sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter/innen. Auf dem Friedhof erinnern nur eine schon verwitterte Stele und zwei Steinplatten mit einigen Namen an die Opfer. Es erfordert viel Arbeit, die Opfer namhaft machen zu können und damit einen Ort für die Angehörigen zur Trauer schaffen zu können. Wichtig sei es, dem Vergessen der sowjetischen Opfer zwischen 1941 und 1945 gerade auch in dieser Zeit entgegenzuwirken.

In Castrop-Rauxel machten wir Station an einem Gedenkstein, der 1948 auf Initiative der VVN errichtet wurde und mit seiner zentralen Inschrift an die Opfer der Hitler Diktatur auf drei Steintafeln erinnert. Der Name Hitler wurde erkennbar zerstört; die Namen auf den Tafeln sind inzwischen unleserlich. Das Denkmal wurde zwischenzeitlich umgestellt und steht nun kaum wahrnehmbar und nicht direkt zugänglich in einer kleinen Anlage zwischen Buschwerk.

Der Abschluß der Tour war in Herten. Aufgrund der zahlreichen gewalttätigen Nazi-Übergriffe in den 2000er Jahren gab es in NRW damals von der Landesregierung für viele Städte pro Einwohner 1 € zur Verwendung für Initiativen gegen rechts. In Herten wurde das Geld genutzt, um in der Stadt mit Merktafeln auf die Verbrechen während der Nazizeit aufmerksam zu machen. Die VVN-Freund/innen in Herten zeigten uns anhand der an den Orten der ehemaligen Lagertoren angebrachten Tafeln das Ausmaß des Zwangsarbeiterlagers für die Zeche Schlägel & Eisen, in dem zwischen 1941 und Kriegsende 2600 Zwangsarbeiter und sowjetische Kriegsgefangene unter erbärmlichen Bedingungen untergebracht waren.

Die vorab verschickte Einladung zu dieser Veranstaltung können Sie hier ansehen.

Fotos | Landesdeligiertenkonferenz 2026 in Oberhausen

19. Oktober 2026

Am 17.10.026 fand im Haus Union in Oberhausen die Landesdeligiertenkonferenz der VVN-BdA NRW statt. Das Motto der Veransaltung lautete:
80 Jahre konsequent antifaschistisch, antimilitärisch und kein Schritt zurück!
Für Frieden in der Welt

Hier einige Foto-Impressionen von der Veranstaltung:

»Antifaschismus muss mehr sein als Gedenkfeiern«

13. Oktober 2026

Die VVN–BdA NRW beging in Bochum ihr 80jähriges Bestehen. Ein Gespräch mit Falk Mikosch

Am 07.10.2026 veröffentlichte die Tageszeitung „Junge Welt“ unter der oben genannten Überschrift ein Interview mit dem Landessprecher der VVN-BdA NRW Falk Mikosch. Anlass dieses Gespräch war die Jubiläumsveranstaltung zum 80-jährigen bestehen der VVN-BdA NRW, die gemeinsam mit der Kreisvereinigung Bochum durchgeführt wurde. Dabei gab es Rückblicke in die Geschichte der VVN-BdA und es wurden Fragen zu den Aufgaben in der Zukunft analysiert.

Den Inhalt dieses Gesprächs können Sie sich hier ansehen.

Ansprache 80 Jahre VVN-BdA NRW (Bochum) Dr. Ulrich Schneider, FIR

13. Oktober 2026

Bei der gemeinsamen Jubiläumsveranstaltung der VVN-BdA Kreisvereinigung Bochum und der Landesvereinigung NRW hielt Dr. Ulrich Schneider folgende Rede:

Als ihr mich gebeten habt, die Festansprache zu halten, war klar, dass ich kein Referat zur Geschichte halten werde, wie ich es bereits vor fünf Jahren getan habe. Außerdem habt ihr mit der großartigen Dokumentation zu Geschichte der Landesvereinigung ein so umfängliches Material zusammengetragen, dass ich wenig Neues dazu beitragen könnte. Zudem wird Günter Gleising in einem kursorischen Überblick Aspekte eurer Geschichte nachzeichnen.

Daher möchte ich meinen Fokus in meiner heutigen Ansprache auf die vor uns stehenden Herausforderungen legen, und zwar nicht bezogen auf die tagespolitischen Aufgaben, sondern auf die Themen, die die Arbeit unserer Organisation in den kommenden Jahren bestimmen werden. Dass ich dabei auch an historischen Rückblicken nicht vorbeikomme, dürfte euch nicht überraschen.

Mein Ausgangspunkt ist, was eigentlich das „Alleinstellungsmerkmal“ der VVN ausmacht. Ihr wisst so gut wie ich – und viele leben das auch in ihrer politischen Arbeit – dass es nicht nur die VVN-BdA gibt, die gesellschaftlich gegen Rechtsentwicklung, Neofaschismus und für Frieden eintritt. So erinnern sich große Teile des DGB und seiner Einzelgewerkschaften deutlich klarer an die historischen Wurzeln der Gewerkschaftsbewegung nach der Zerschlagung der NS-Barbarei und die dort formulierten Grundlagen der Einheitsgewerkschaft – als Konsequenz aus der Niederlage der Arbeiterorganisationen, die gespalten agierten am Ende der Weimarer Republik.
Dennoch bleibt eine Organisation wie die VVN-BdA weiterhin unverzichtbar, ist sie doch der organisationspolitische Ausdruck des Vermächtnisses der Überlebenden und der Frauen und Männer aus Widerstand und Verfolgung. Sie sollte die Bewahrerin der politischen und gesellschaftlichen Werte, die im Rahmen des antifaschistisch-demokratischen Neubeginns entwickelt wurden, sein.

Ich erzähle euch nichts Neues, dass die Anfänge der VVN in allen vier Besatzungszonen – und damit auch im heutigen Territorium von NRW – in den regionalen antifaschistischen Komitees lag.
Wichtig als gemeinsame Grundlage für einen antifaschistisch-demokratischen Neubeginn waren den Frauen und Männern aus Widerstand und Verfolgung, aus dem Exil oder aus den Haftstätten, Vorstellungen, die nicht allein durch parteipolitische Forderungen geprägt waren, sondern Positionen enthielten, wie sie im „Schwur von Buchenwald“ und anderen Vermächtnissen der Überlebenden niedergelegt waren. Es ging darum, kein „Weiter so“ zuzulassen, sondern eine antifaschistisch-demokratischen Neugestaltung zu ermöglichen.
Die Komitees der Überlebenden stellten Anforderungen an eine demokratische Entwicklung, die sich nicht auf die Wiederzulassung von politischen Parteien beschränkten, sondern Forderungen nach gesellschaftlicher Kontrolle wirtschaftlicher Macht, nach Wohnung, Arbeit, Bildung und Absicherung des alltäglichen Lebens für alle, gegen soziale Ungerechtigkeit, gegen Armut und Not als Einfallstor für rechte Propaganda aufstellten. Es ging ihnen um eine sozial gerechte Gesellschaft, gegen Krieg und Faschismus, für wirkliche Demokratie.

Der besondere Charakter der VVN ergab sich aus ihrer Überparteilichkeit, die entstanden ist aus den gemeinsamen Erfahrungen der Verfolgung in den Lagern und Haftstätten, die sich auch ausdrückte in dem Aufbau von überparteilichen Widerstandszirkeln selbst in der Kriegszeit, von denen ich nur an Wilhelm Knöchel hier im Rheinland und Ruhrgebiet, an die Neubauer-Poser-Gruppe in Thüringen und Sachsen oder die Bästlein-Jacob-Abshagen-Widerstandsgruppe in Hamburg und Berlin exemplarisch erinnern möchte.
Diese Überparteilichkeit bedeutet nicht, dass nicht innerhalb der VVN Mitglieder der unterschiedlichen Parteien ihren Platz haben, zu denen selbstverständlich die Kommunisten – nicht zuletzt aufgrund ihres bedeutenden Anteils im antifaschistischen Widerstand – gehören, aber die VVN-BdA muss darauf achten, dass – bei aller Beziehungsnähe von Mitgliedern zu ihren jeweiligen Parteien – die VVN-BdA keinen zu engen Bezug zu einer Partei entwickelt. In der Organisation muss Platz sein für unterschiedliche gesellschaftspolitische Vorstellungen, solange sie sich auf die gemeinsamen Grundlagen beziehen können.

Ausgehend von dem Vermächtnis der Überlebenden muss der Zweiklang der politischen Botschaft des Jahres 1945 immer unsere gemeinsame Arbeit prägen: „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“
Ich muss in diesem Zusammenhang sicherlich nicht erläutern, welche Erfahrungen der Überlebenden in diese Kernbotschaften geflossen sind.
Die Losung im Kampf um die Bewahrung des Friedens. „Nie wieder Krieg!“ bedeutet dabei, sich für Entspannungspolitik, für Abrüstung und für die Beseitigung der Kriegsursachen einzusetzen. Krieg darf kein Mittel der politischen Konfliktlösung sein, Diplomatie und Dialog sind die Antworten, die es oftmals auch gegen die eigenen Regierungen durchzusetzen gilt. Dieser Grundsatz gilt – unabhängig davon, wie man die jeweiligen Kriege in der Welt einschätzt.
Nein, es ist kein Kriterium für Antifaschismus, dass man die Losung „Frieden mit Russland“ unterstützt, so richtig ich die darin enthaltene Aussage finde. Selbst die Losung „Freiheit für Palästina“ ist nur dann als gemeinsame Losung der VVN-BdA tragfähig, wenn sie sich auf die Vereinten Nationen – die Resolutionen des Sicherheitsrates und der Generalversammlung – bezieht. Selbstverständlich gibt es keine Rechtfertigung für Massenverbrechen, wie sie gegen die Menschen im Gaza-Streifen begangen werden, oder die Vertreibungspolitik in der Westbank.
Aber gemeinsame Grundlage antifaschistischer Orientierung kann in diesem Fall – wie im Fall aller anderen über 100 militärischen Konflikte weltweit – für uns, neben der Solidarität mit der Zivilbevölkerung in allen Kriegsregionen, die die Hauptleidtragenden dieser Konflikte sind – nur die Wiederherstellung und Wirksamkeit des Völkerrechts in den internationalen Beziehungen sein.
Aus den historischen Erfahrungen treten wir unter der Losung „Nie wieder Krieg!“ natürlich gegen alle Formen der Militarisierung, der Kriegsvorbereitung und Hochrüstung in unserem eigenen Land ein. Das ist eine Herausforderung, die uns noch viele Jahrzehnte begleiten wird. Es muss – auch von uns – deutlich gemacht werden, wie diese Aufrüstungspolitik durch die daraus folgenden Kürzungen bei den Sozialausgaben, im Bereich Gesundheit und Pflege oder im Bildungsbereich zur gesellschaftlichen Spaltung beiträgt. Der Kampf gegen die Hochrüstung ist damit nicht nur ein Handeln für Frieden, sondern auch für eine solidarische Gesellschaft, gegen soziale Spaltung und politische Ausgrenzungen.

Der Kampf gegen die soziale Spaltung ist auch ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Rechtsentwicklung und die Zunahme der extremen Rechten. Den Überlebenden der Lager und Haftstätten war schon 1945 klar, dass soziale Ungleichheit und Abstiegsängste ein Nährboden war, für die Aufnahmebereitschaft bei weniger politisch erfahrenen Menschen aus dem Kleinbürgertum, und selbst der Arbeiterbewegung, für die Heilsversprechen und „Verlockungen“ extrem rechter Propaganda. Und im Sinne der Überlebenden bleibt die Losung „Nie wieder Faschismus!“ politische Verpflichtung für unsere Arbeit, also der Kampf gegen alle Formen des Wiedererstarkens extrem rechter Kräfte und Parteien, gegen neofaschistische Gewalt und jegliche Formen faschistischer Ideologie (z.B. Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Intoleranz und Autoritarismus).

Ohne jetzt ein eigenes Referat zur AfD halten zu wollen, ist es in meinem Verständnis unstrittig, dass die politische Arbeit der VVN gemeinsam mit anderen Kräften der Zivilgesellschaft sich vorrangig gegen diese „Speerspitze“ der Rechtsentwicklung richten muss.
Ich hoffe, niemand meint, mich jetzt davon überzeugen zu müssen, dass doch die Umsetzer und Initiatoren der Aufrüstung und aller sozialen Grausamkeiten nicht die AfD, sondern die gegenwärtigen Bundes- und Landesregierungen mit allen sie tragenden politischen Parteien sind. Natürlich ist die AfD noch (wie lange noch) nicht in der politischen Verantwortung für diese Maßnahmen. Aber ihre Propaganda, ihre Vorstöße und ihr Auftreten trägt dazu bei, dass diese Rechtsentwicklung ideologisch und politisch durchsetzbar wird, indem die AfD mit „Remigration“, mit der Denunziation von Menschen in Not, von angeblich nicht zur „Volksgemeinschaft“ zählenden Bevölkerungsgruppen oder von Menschen mit anderen Lebensvorstellungen genau diese Feindbild-Propaganda vorantreibt. Sie „versprechen“ ihren Wählenden eine „heile Welt von früher“, die sie selbstverständlich nicht schaffen können, und vertiefen damit die gesellschaftliche Spaltung.
In diesem Sinne haben wir aktuell – und zu befürchten – noch längere Zeit mit der Auseinandersetzung mit der AfD zu kämpfen. Ob wir uns für ein Verbot der AfD – aus durchaus überzeugenden verfassungsrechtlichen Gründen – einsetzen oder meinen, dass dieser Weg – angesichts der gesamtgesellschaftlichen Situation – entweder zu langwierig oder zu wenig erfolgreich ist, kann man strategisch debattieren. Unstrittig ist jedoch, dass es für uns – aus historischen Erfahrungen – keine Toleranz oder Akzeptanz für diese politische Partei geben kann. Unsere Aussage: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“ bleibt auch gegenüber der AfD richtig und notwendig. Wir sind daher gegen jede Form des „Gewöhnungsprozesses“, wie er selbst in den öffentlich-rechtlichen Medien praktiziert wird, Medien, die seitens der AfD am liebsten aufgelöst werden sollen, wenn man sie nicht übernehmen kann. In diesem Falle können wir z.B. aus den Erfahrungen in Ungarn oder Polen lernen, welche verheerenden Auswirkungen das auf den gesellschaftlichen Diskurs hat.
Eine andere Frage ist es, wie wir es schaffen, Menschen, die die AfD gewählt haben oder sich von deren Propaganda ansprechen lassen, für unsere antifaschistisch-demokratische Gesellschaftsperspektive zu gewinnen. Das ist m.E. nicht nur eine Frage von Argumenten, sondern realer gesellschaftlicher Bewegungen für soziale Gerechtigkeit und Toleranz, gegen Militarisierung und Ausgrenzung, in die wir uns als VVN-BdA aktiv einbringen sollten.

Ich habe mein Referat mit Bezug auf das „Alleinstellungsmerkmal“ begonnen. Unser Alleinstellungsmerkmal ist auch, dass wir die Gedenk- und Erinnerungspolitik als Mahnung gegen das Wiederaufleben faschistischer Kräfte und Entwicklungen verstehen. Antifaschistische Erinnerungspolitik bedeutet für uns, sich für die Würdigung der Frauen und Männer aus dem antifaschistischen Kampf, die Verfolgten aus den verschiedenen Gründen einzusetzen, sie als Teil des gesellschaftlichen Narrativs zu bewahren.
Das sind wir der Gründergeneration der VVN schuldig, nachdem nun die Zeitzeugen selber uns nicht mehr zur Verfügung stehen. Ich verstehe diese Arbeit auch als moralische Verpflichtung unserer Organisation, die wir an alle kommenden Generationen weitergeben müssen. Viele von uns haben Überlebende noch selber kennen gelernt, wurden in ihrer politischen Sozialisation von diesen Begegnungen geprägt, haben sich auch aufgrund dieser Erfahrungen für eine Mitgliedshaft in der VVN-BdA entschieden. Das kann bei den heutigen Generationen, die sich für die Mitarbeit in der VVN-BdA entscheiden, nicht mehr vorausgesetzt werden. Daher ist die Bewahrung der Erinnerung an die Frauen und Männer aus Widerstand und Verfolgung, an die Orte und Erinnerungszeichen zum antifaschistischen Kampf eine dauernde Aufgabe in der Weitergabe des Wissens. Unsere Organisation hat dabei auch die Verpflichtung, dass die Befreiung und die Befreier von der nazistischen Barbarei ihre gesellschaftliche Anerkennung behalten.
Es ist – nicht allein durch die zeitliche Distanz – zunehmend herausfordernd, dieses historische Wissen weiterzugeben. Nicht nur durch die offene Rechte, auch durch ideologische Kampagnen bedingt, müssen wir gegen vielfältige Form von Geschichtsrevision, Relativierung und Rehabilitierung von NS-Verbrechen und deren Täter kämpfen, wie wir es in den vergangenen Jahren in zunehmenden Umfang registrieren müssen.
Ihr hier in NRW habt schon an mehreren Orten erfahren, dass frühere Präsentationen zu den Verantwortliche und Profiteuren der NS-Verbrechen „entsorgt“ wurden. Tatsächlich ist es mittlerweile auch ein „Alleinstellungsmerkmal“ der VVN in der Geschichtsarbeit, nicht nur die Opfer zu betrauern, sondern auch an die Täter, in deren Kontinuität zum Teil bis heute Krieg und Aufrüstung vorbereitet wird, zu benennen.

Diese Erinnerung ist eng verbunden mit unserer Arbeit mit den heutigen Generationen, denen wir versuchen, das politische Vermächtnis der Überlebenden und eine Wertschätzung für die Frauen und Männer aus dem antifaschistischen Kampf nahe zu bringen. Wir möchten sie unterstützen bei ihren Wegen der Aneignung der Geschichte und der Suche nach ihren Antworten für die Zukunft.

Nicht nur, weil ich als Generalsekretär der FIR zu euch spreche, möchte ich noch eine weitere Besonderheit der VVN-BdA – im Umfeld anderer sich antifaschistisch verstehender Gruppen und Kräfte – hervorheben. Die VVN ist seit der Gründung als Mitglied in der FIR Teil einer internationalen Gemeinschaft, der „Internationale des Antifaschismus“. Das bedeutet aber auch, dass wir bereit sein müssen, die große Heterogenität der politischen Vorstellung innerhalb der FIR auszuhalten. Genauso, wie die VVN selber eine Bündnisorganisation ist, ist auch die FIR eine überparteiliche Dachorganisation. Gegenüber kommenden Generationen ist es wichtig zu vermitteln, dass das Handeln gegen den Vormarsch gegen die extreme Rechte internationalistisch angelegt sein muss. Gleichzeitig aber auch, dass es in den jeweiligen Ländern unterschiedliche Kampferfahrungen und Handlungsoptionen gibt, die es innerhalb der FIR auszuhalten gilt. Natürlich tauschen wir uns dort darüber aus, aber es ist nicht angesagt, dass wir als VVN-BdA unsere strategischen Analysen und daraus abgeleiteten Handlungsformen den anderen Verbänden vorgeben wollen.
Unser Umgang miteinander kann nur – und das müssen wir auch immer wieder neu in der eigenen Organisation lernen – gleichberechtigt und solidarisch sein, aber das macht gerade den Wert und die Stärke der internationalen Verbundenheit aus.

Alles das gilt es in den kommenden Jahren zu bewahren und umzusetzen, wenn wir mit der VVN-BdA eine Zukunft auch für die kommenden Jahre und Jahrzehnte haben wollen. Dafür wünsche ich eurer Landesvereinigung Kraft, kreative Ideen und viele neue Mitstreiter.

Grußworte zum 80-jährigen Jubiläum

13. Oktober 2026

Am 26.09.2026 feierten die Kreisvereinigung Bochum und die Landesvereinigung NRW der VVN-BdA gemeinsam in der Bochumer KoFabrik ihr 80-jähriges Jubuläum. Dazu erhielten sie von zahlreichen Organisationen Grußworte und Glückwünsche zugesandt. Sehen Sie sich den jeweiligen Text durch Anklicken des entsprechenden links als pdf-Datei an.

Roma-Selbstorganisation für Teilhabe, Bildung und Kultur Rom e.V.

Bildungsgewerkschaft GEW NRW

Die Linke Landesverband Nordrhein Westfalen

DFG-VK, Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegdienstgegnerInnen LV NRW

Dennis Radtke, Mitglied des Europäischen Parlaments

Vereinigte Diensleistungsgewerkschaft (ver.di)

NRWSPD

Jubiläumsveranstaltung der VVN-BdA: 80 Jahre konsequent antifaschistisch, für Frieden.

29. September 2026

Pressemitteilung von Günter Gleising
Vorsitzender der VVN-BdA, Kreisvereinigung Bochum

Die VVN-BdA NRW und die Kreisvereinigung Bochum feierten ihr 80-jahriges Jubiläum in der KoFabrik Bochum. Hier: eine Fotoausstellung mit einem Rückblick auf die vergangenen 80 Jahre. (Foto: Jochen Vogler)

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimen – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) feierte unter dem Motto „80 Jahre konsequent für Frieden und Antifaschismus“ den 80. Jahrestag der Gründung ihrer Kreisvereinigung Bochum sowie der Landesvereinigung NRW mit einer großen Veranstaltung. In einer Halle in der früher Stahlträger für den Bergbau produziert wurden, erinnerten Redner und Kulturschaffende an die Bedeutung der VVN-BdA in einer Zeit großer politischer und gesellschaftlicher Zuspitzungen.

Der Sprecher der NRW-Landesorganisation, Falk Mikosch, der auch durch das Programm führte, bezog sich in seiner Einleitungsrede auf die Schülerstreiks gegen die Einführung der Wehrpflicht und den Skandal in Sachsen, wo in einer Gemeinde die CDU und die AfD beschlossen haben, das dort keine Stolpersteine mehr verlegt werden. Mikosch erklärte die Solidarität mit den zur gleichen Zeit stattfindenden Demonstrationen des DGB gegen den Sozialabbau.

Bochums Bürgermeister, Dr. Sascha Dewender, unterstrich in seinem Grußwort die jahrelange Zusammenarbeit der Stadt Bochum und der VVN-BdA in der Erinnerungsarbeit und der Gestaltung von Gedenkstätten.

Die große Anerkennung und der Dank für die jahrzehntelange Arbeit der VVN-BdA kam in weiteren mündlichen und schriftlichen Grußworten zum Ausdruck.

Die Landesleiterin der Dienstleistungsgewerkschaft, Gabriele Schmidt, schreibt: „In einer Welt, die sich derzeit instabil darstellt, ist die VVN-BdA unverzichtbar.“

Der Bundestagsabgeordnete Serdar Yüksel und der SPD-Landesvorstand NRW erklärten: „Wir als SPD möchten Ihnen allen für Ihr unermüdliches Engagement danken. Denn gerade in NRW ist das vielfältige Erinnerungs- und Bildungsengagement der VVN-BdA von großer Bedeutung. … Sie tragen historische Erkenntnisse weiter, geben den Opfern Namen und Gesicht.“

Die Bildungsgewerkschaft GEW schreibt „Erinnerungsarbeit und demokratische Bildung bleiben unverzichtbar und bilden die Grundlage dafür, dass junge Menschen aus der Geschichte lernen und Verantwortung für eine demokratische und solidarische Gesellschaft übernehmen können“.

Der CDU-Europaabgeordnete Dennis Radtke, schreibt wie wichtig es sei „die Lebensgeschichten der Verfolgten und Widerstandskämpfer wachzuhalten und die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus“ weiterzugeben. Und der Bundestagsabgeordnete Max Lucks (Grüne): „Ich schätze die Arbeit der VVN-BdA, und ich stehe an eurer Seite, wenn es um die Frage der Gemeinnützigkeit“ der VVN-BdA geht.

Auch in den Grußschreiben der DfG/VK, der MLPD und der Roma-Selbstorganisation wurden das Engagement, der Sachverstand und die konsequente Haltung der VVN-BdA gewürdigt.

In einer Grundsatzrede ging der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), Dr. Ulrich Schneider, auf die vor der VVN-BdA „stehenden Herausforderungen“ und die „Themen, die die Arbeit unserer Organisation in den kommenden Jahren bestimmen werden. Das „Alleinstellungsmerkmal der VVN“ ist „der organisationspolitische Ausdruck des Vermächtnisses der Überlebenden und der Frauen und Männer aus Widerstand und Verfolgung.“ Schneider betonte, daß in der Organisation Mitglieder der unterschiedlichen Parteien ihren Platz haben, zu denen selbstverständlich auch die Kommunisten – nicht zuletzt aufgrund ihres bedeutenden Anteils im antifaschistischen Widerstand – gehören.“

Der besondere Charakter der VVN-BdA ergibt sich aber aus ihrer Überparteilichkeit, die entstanden ist aus den gemeinsamen Erfahrungen der Verfolgung in der Lagern und Haftstätten.“ In der VVN-BdA „muss Platz sein für unterschiedliche gesellschaftspolitische Vorstellungen, solange sie sich auf die gemeinsamen Grundlagen beziehen können.“ Schneider bezeichnete die AFD als „Speerspitze der Rechtsentwicklung. Unsere Aussage: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“

Dr. Ulrich Schneider bei seiner Grundsatzrede (Foto: Jochen Vogler)

In einer Talk-Runde stellte der Bochumer Vorsitzende der VVN-BdA, Günter Gleising, Eckpunkte der 80 jährigen Geschichte dar. Über die Sammlung von Orten der Naziverbrechen, die Erfassung der Opfer und die ersten Darstellungen des Kampfes gegen das Naziregime, zog er eine Linie zu den (erfolglosen) Versuchen der Adenauerregierung die VVN zu verbieten und den jahrelangen „Verjährungsdebatten“ von Naziverbrechern, die schließlich in dem Gesetz über die Nichtverjährung von Mord endeten. Als großen Erfolg wertete Gleising, daß es 1969 gelang, nach großem Kampf von Hunderttausender den Einzug der NPD in den Bundestag zu verhindern. Die Bochumer VVN-BdA sieht sich, so Gleising, bestärkt in ihren Gedenkstättenarbeit und der Fortsetzung von ihre Angeboten wie Stadtrundgänge und die Stiftung von Stolpersteinen.

Talkrunde mit Günter Gleising und Falk Mikosch (Foto: Jochen Vogler)

Das Kulturprogramm mit dem Liedermacher Willy Karasch, dem Kabarettisten Jens Neutag und der Folkband Grenzgänger strich den Zusammenhang von politischen Kampf und Kultur heraus. Vor allem die Neuinterpretationen von revolutionären und antifaschistischen Liedern durch die Grenzgänger fand bei den gut 150 Anwesenden Anerkennung und löste viel Beifall aus.

Mit der Veranstaltung wurde die VVN-BdA bestärkt weiter für Frieden, Antifaschismus gegen Rassismus und „das Vergessen“ aktiv zu sein.

Einen weiteren Bericht und weitere Bilder von Jochen Vogler finden Sie auf der Seite von r-mediabase:
https://r-mediabase.eu/die-vereinigung-der-verfolgten-des-naziregimes-vvn-bund-der-antifaschistinnen-und-antifaschisten-bda-in-nrw-feiert-den-80-geburtstag/#more-102349

Folkband „Die Grenzgänger“ (Foto: Jochen Vogler)

Sprockhövel – Ausstellung „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“

21. September 2026

Zur Zeit läuft in Sprockhövel eine Ausstellung über Frauen, die im Nationalsozialismus Widerstand geleistet haben. Diese Ausstellung kann noch bis zum 28. September im evangelischen Gemeindehaus am Perthes-Ring besichtigt werden. Begleitet wird sie von Führungen und einer Filmvorführung von „In Liebe, Eure Hilde“

Ort: Evangelisches Gemeindehaus Bredenscheid-Sprockhövel, Perthes-Ring 18, 45549 Sprockhövel
Datum: 16.09. bis 28.09.
Anmeldung: nicht erforderlich
Preis: kostenlos

Weitere Infos zu dieser Veranstaltung finden Sie unter folgender Internetadresse:
https://www.sprockhoevel.de/stadtleben-und-aktuelles/aktuelles-aus-sprockhoevel/2026/september/frauen-widerstand/

oder bei der Stadt Sprockhövel:

Tel.: 02339 917-0
Mail: info@sprockhoevel.de

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