Jubiläumsveranstaltung der VVN-BdA: 80 Jahre konsequent antifaschistisch, für Frieden.

29. September 2026

Pressemitteilung von Günter Gleising
Vorsitzender der VVN-BdA, Kreisvereinigung Bochum

Die VVN-BdA NRW und die Kreisvereinigung Bochum feierten ihr 80-jahriges Jubiläum in der KoFabrik Bochum. Hier: eine Fotoausstellung mit einem Rückblick auf die vergangenen 80 Jahre. (Foto: Jochen Vogler)

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimen – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) feierte unter dem Motto „80 Jahre konsequent für Frieden und Antifaschismus“ den 80. Jahrestag der Gründung ihrer Kreisvereinigung Bochum sowie der Landesvereinigung NRW mit einer großen Veranstaltung. In einer Halle in der früher Stahlträger für den Bergbau produziert wurden, erinnerten Redner und Kulturschaffende an die Bedeutung der VVN-BdA in einer Zeit großer politischer und gesellschaftlicher Zuspitzungen.

Der Sprecher der NRW-Landesorganisation, Falk Mikosch, der auch durch das Programm führte, bezog sich in seiner Einleitungsrede auf die Schülerstreiks gegen die Einführung der Wehrpflicht und den Skandal in Sachsen, wo in einer Gemeinde die CDU und die AfD beschlossen haben, das dort keine Stolpersteine mehr verlegt werden. Mikosch erklärte die Solidarität mit den zur gleichen Zeit stattfindenden Demonstrationen des DGB gegen den Sozialabbau.

Bochums Bürgermeister, Dr. Sascha Dewender, unterstrich in seinem Grußwort die jahrelange Zusammenarbeit der Stadt Bochum und der VVN-BdA in der Erinnerungsarbeit und der Gestaltung von Gedenkstätten.

Die große Anerkennung und der Dank für die jahrzehntelange Arbeit der VVN-BdA kam in weiteren mündlichen und schriftlichen Grußworten zum Ausdruck.

Die Landesleiterin der Dienstleistungsgewerkschaft, Gabriele Schmidt, schreibt: „In einer Welt, die sich derzeit instabil darstellt, ist die VVN-BdA unverzichtbar.“

Der Bundestagsabgeordnete Serdar Yüksel und der SPD-Landesvorstand NRW erklärten: „Wir als SPD möchten Ihnen allen für Ihr unermüdliches Engagement danken. Denn gerade in NRW ist das vielfältige Erinnerungs- und Bildungsengagement der VVN-BdA von großer Bedeutung. … Sie tragen historische Erkenntnisse weiter, geben den Opfern Namen und Gesicht.“

Die Bildungsgewerkschaft GEW schreibt „Erinnerungsarbeit und demokratische Bildung bleiben unverzichtbar und bilden die Grundlage dafür, dass junge Menschen aus der Geschichte lernen und Verantwortung für eine demokratische und solidarische Gesellschaft übernehmen können“.

Der CDU-Europaabgeordnete Dennis Radtke, schreibt wie wichtig es sei „die Lebensgeschichten der Verfolgten und Widerstandskämpfer wachzuhalten und die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus“ weiterzugeben. Und der Bundestagsabgeordnete Max Lucks (Grüne): „Ich schätze die Arbeit der VVN-BdA, und ich stehe an eurer Seite, wenn es um die Frage der Gemeinnützigkeit“ der VVN-BdA geht.

Auch in den Grußschreiben der DfG/VK, der MLPD und der Roma-Selbstorganisation wurden das Engagement, der Sachverstand und die konsequente Haltung der VVN-BdA gewürdigt.

In einer Grundsatzrede ging der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), Dr. Ulrich Schneider, auf die vor der VVN-BdA „stehenden Herausforderungen“ und die „Themen, die die Arbeit unserer Organisation in den kommenden Jahren bestimmen werden. Das „Alleinstellungsmerkmal der VVN“ ist „der organisationspolitische Ausdruck des Vermächtnisses der Überlebenden und der Frauen und Männer aus Widerstand und Verfolgung.“ Schneider betonte, daß in der Organisation Mitglieder der unterschiedlichen Parteien ihren Platz haben, zu denen selbstverständlich auch die Kommunisten – nicht zuletzt aufgrund ihres bedeutenden Anteils im antifaschistischen Widerstand – gehören.“

Der besondere Charakter der VVN-BdA ergibt sich aber aus ihrer Überparteilichkeit, die entstanden ist aus den gemeinsamen Erfahrungen der Verfolgung in der Lagern und Haftstätten.“ In der VVN-BdA „muss Platz sein für unterschiedliche gesellschaftspolitische Vorstellungen, solange sie sich auf die gemeinsamen Grundlagen beziehen können.“ Schneider bezeichnete die AFD als „Speerspitze der Rechtsentwicklung. Unsere Aussage: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“

Dr. Ulrich Schneider bei seiner Grundsatzrede (Foto: Jochen Vogler)

In einer Talk-Runde stellte der Bochumer Vorsitzende der VVN-BdA, Günter Gleising, Eckpunkte der 80 jährigen Geschichte dar. Über die Sammlung von Orten der Naziverbrechen, die Erfassung der Opfer und die ersten Darstellungen des Kampfes gegen das Naziregime, zog er eine Linie zu den (erfolglosen) Versuchen der Adenauerregierung die VVN zu verbieten und den jahrelangen „Verjährungsdebatten“ von Naziverbrechern, die schließlich in dem Gesetz über die Nichtverjährung von Mord endeten. Als großen Erfolg wertete Gleising, daß es 1969 gelang, nach großem Kampf von Hunderttausender den Einzug der NPD in den Bundestag zu verhindern. Die Bochumer VVN-BdA sieht sich, so Gleising, bestärkt in ihren Gedenkstättenarbeit und der Fortsetzung von ihre Angeboten wie Stadtrundgänge und die Stiftung von Stolpersteinen.

Talkrunde mit Günter Gleising und Falk Mikosch (Foto: Jochen Vogler)

Das Kulturprogramm mit dem Liedermacher Willy Karasch, dem Kabarettisten Jens Neutag und der Folkband Grenzgänger strich den Zusammenhang von politischen Kampf und Kultur heraus. Vor allem die Neuinterpretationen von revolutionären und antifaschistischen Liedern durch die Grenzgänger fand bei den gut 150 Anwesenden Anerkennung und löste viel Beifall aus.

Mit der Veranstaltung wurde die VVN-BdA bestärkt weiter für Frieden, Antifaschismus gegen Rassismus und „das Vergessen“ aktiv zu sein.

Folkband „Die Grenzgänger“ (Foto: Jochen Vogler)