Gedenkorte zu den Naziverbrechen – Erinnerungsfahrt am 10. Oktober 2026

19. Oktober 2026

Die VVN-BdA Landesvereinigung NRW war unterwegs an Gedenkorten in Dortmund – Herten – Castrop-Rauxel – Essen

Ein Bericht von Uli Sander

Freundinnen und Freunde der Landesorganisation der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschist/innen waren wieder mit dem Bus auf Gedenk-Tour.

Mit 15 Leuten waren wir diesmal unterwegs. Thema der Tour war: Wie zeigt sich das Gedenken an die Opfer faschistischer Gewalt der Nazi-Zeit und der Nachkriegszeit im öffentlichen Raum? – Start der Tour war in Dortmund. Dabei wurde an eine noch immer fehlende Mahntafel am Gelände der ehemaligen Villa Springorum erinnert. Dort fand am 7.1.1933 ein entscheidendes Vorbereitungstreffen zur Machtübertragung an die Nazipartei und Hitler statt. Teilnehmer dieses Treffens waren damals die Unternehmer der Ruhrlade und Franz von Papen.

Die politische Entscheidung für eine solche Tafel wird immer wieder verschoben und vertagt.

Eindrucksvoll war der Bericht von Katharina Ruhland am Mahnmal zu den NSU-Opfern im Umfeld der Steinwache. Bis zur Selbstenttarnung der NSU-Mörderbande zielte die Ermittlungsarbeit zu den Morden vor allem gegen das familiäre Umfeld der Mordopfer. Katharina Ruhland schilderte den Kampf der Familie von Mehmet Kubasik – der in Dortmund in seinem Kiosk 2006 ermordet wurde – und der Solidaritätsgruppen für ein würdiges Gedenken im öffentlichen Raum in Dortmund.

Auf dem Friedhof in Dortmund-Derne berichteten Hannelore Tölke und Dmitriy Kostovarov über Schicksale in Dortmund durch die Zwangsarbeit umgekommene sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter/innen. Auf dem Friedhof erinnern nur eine schon verwitterte Stele und zwei Steinplatten mit einigen Namen an die Opfer. Es erfordert viel Arbeit, die Opfer namhaft machen zu können und damit einen Ort für die Angehörigen zur Trauer schaffen zu können. Wichtig sei es, dem Vergessen der sowjetischen Opfer zwischen 1941 und 1945 gerade auch in dieser Zeit entgegenzuwirken.

In Castrop-Rauxel machten wir Station an einem Gedenkstein, der 1948 auf Initiative der VVN errichtet wurde und mit seiner zentralen Inschrift an die Opfer der Hitler Diktatur auf drei Steintafeln erinnert. Der Name Hitler wurde erkennbar zerstört; die Namen auf den Tafeln sind inzwischen unleserlich. Das Denkmal wurde zwischenzeitlich umgestellt und steht nun kaum wahrnehmbar und nicht direkt zugänglich in einer kleinen Anlage zwischen Buschwerk.

Der Abschluß der Tour war in Herten. Aufgrund der zahlreichen gewalttätigen Nazi-Übergriffe in den 2000er Jahren gab es in NRW damals von der Landesregierung für viele Städte pro Einwohner 1 € zur Verwendung für Initiativen gegen rechts. In Herten wurde das Geld genutzt, um in der Stadt mit Merktafeln auf die Verbrechen während der Nazizeit aufmerksam zu machen. Die VVN-Freund/innen in Herten zeigten uns anhand der an den Orten der ehemaligen Lagertoren angebrachten Tafeln das Ausmaß des Zwangsarbeiterlagers für die Zeche Schlägel & Eisen, in dem zwischen 1941 und Kriegsende 2600 Zwangsarbeiter und sowjetische Kriegsgefangene unter erbärmlichen Bedingungen untergebracht waren.

Die vorab verschickte Einladung zu dieser Veranstaltung können Sie hier ansehen.