80 Jahre gegen Krieg und Faschismus
26. Oktober 2026
NRW-Landesverband der VVN-BdA feiert runden Geburtstag in Bochum
Unter der oben genannten Überschrift erschien in der UZ (Unsere Zeit) – Ausgabe vom 02.Oktober 2026 ein Artikel von Henning von Stolzenberg, den wir hier veröffentlichen:
In der Bochumer Quartiershalle KoFabrik wurde am vergangenen Samstag ein wichtiges Jubiläum begangen. Die NRW-Landesvereinigung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) hatte zu einer politischen Feier unter dem Motto „80 Jahre konsequent für Frieden und Antifaschismus“ eingeladen, der über 150 Personen nachkamen.Vom frühen Nachmittag bis in den Abend hoben Rednerinnen und Redner sowie Kulturschaffende die Bedeutung der VVN-BdA in einer Zeit großer politischer und gesellschaftlicher Zuspitzungen hervor.
Auf den Tag genau vor 80 Jahren hatte sich am 26. September 1946 die Kreisvereinigung Bochum der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) gegründet. Einen Monat später bildeten 500 Delegierte und Gäste in Düsseldorf die nordrhein-westfälische Landesvereinigung der VVN. In der VVN organisierten sich mehr als 50.000 Menschen, die während der Naziherrschaft verfolgt wurden, den Holocaust überlebt, Widerstand geleistet hatten oder vor dem Hitlerfaschismus hatten fliehen müssen. 1972 wurde die Organisation für alle Antifaschistinnen und Antifaschisten geöffnet und um den Zusatz „Bund der Antifaschisten“ ergänzt.
Falk Mikosch, Landessprecher und Moderator der Veranstaltung, bezog sich in seiner Eröffnung positiv auf die Schülerstreiks gegen die Einführung der Wehrpflicht und thematisierte den jüngsten Skandal in Sachsen, wo in der Gemeinde Heidenau CDU und AfD mit gemeinsamer Mehrheit im Stadtrat die Verlegung von Stolpersteinen verhindern. Es folgte eine Solidaritätserklärung mit den zur gleichen Zeit stattfindenden Demonstrationen des DGB gegen den massiven Sozialabbau der Bundesregierung.
Inhaltlich begleitet wurde die Veranstaltung von zahlreichen Grußworten politischer Parteien, Gewerkschaften und sozialen Initiativen. Bochums Bürgermeister, Sascha Dewender (CDU), unterstrich in seinem Grußwort die jahrelange Zusammenarbeit der Stadt Bochum und der VVN-BdA in der Erinnerungsarbeit und bei der Gestaltung von Gedenkstätten. Ruzdija Sejdovic, Sprecher des Rom e. V., betonte in seinem Grußwort, dass Erinnerungsarbeit ziellos bleibe, wenn sie nicht Lehren für die gesellschaftliche und politische Gegenwart beinhalte, und wies auf den zunehmenden Rassismus gegen Roma und Sinti hin. Ohne die jahrzehntelange Arbeit der VVN-BdA wäre die aktuelle Bewegung gegen Demokratieabbau und gegen rechtsextremistische Parteien und Organisationen nicht so stark, wie sie heute sei.
Auch von gewerkschaftlicher Seite wurde die Bedeutung der Erinnerungsarbeit hervorgehoben. Sie bilde „die Grundlage dafür, dass junge Menschen aus der Geschichte lernen und Verantwortung für eine demokratische und solidarische Gesellschaft übernehmen können“, erklärte die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Ayla Çelik.
Kathrin Vogler, Landessprecherin der Partei „Die Linke“, bezog sich auf die Versuche der Berliner Finanzbehörden, der VVN-BdA die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Neben strukturellem Schaden gehe es auch darum, Antifaschismus und Gemeinwohl voneinander zu entkoppeln. Dabei gebe es für das Gemeinwohl kaum etwas Nützlicheres als Antifaschismus und Frieden.
In seiner Grundsatzrede ging der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), Ulrich Schneider, auf die vor der VVN-BdA stehenden Herausforderungen ein. Das Alleinstellungsmerkmal der VVN-BdA sei der organisationspolitische Ausdruck des Vermächtnisses der Überlebenden und der Frauen und Männer aus Widerstand und Verfolgung. Schneider betonte, dass hier Mitglieder der unterschiedlichen Parteien ihren Platz haben müssten, zu denen selbstverständlich auch die Kommunisten gehörten – nicht zuletzt aufgrund ihres bedeutenden Anteils im antifaschistischen Widerstand. Der besondere Charakter der VVN-BdA ergebe sich aber aus ihrer Überparteilichkeit, die entstanden ist aus den gemeinsamen Erfahrungen der Verfolgung in den Lager und Haftstätten des deutschen Faschismus.
Die politische Arbeit der VVN-BdA gemeinsam mit anderen Kräften der Zivilgesellschaft müsse sich derzeit vorrangig gegen die AfD richten. Diese kennzeichnete Schneider als „Speerspitze“ der Rechtsentwicklung – nicht ohne zu betonen, dass die Umsetzer und Initiatoren der Aufrüstung und aller sozialen Grausamkeiten nicht die AfD, sondern die gegenwärtigen Bundes- und Landesregierungen mit allen sie tragenden politischen Parteien seien. In einer Talk-Runde zeichnete der Bochumer Vorsitzende der VVN-BdA, Günter Gleising, Eckpunkte der 80-jährigen Geschichte nach. Über die Sammlung von Orten der Naziverbrechen, die Erfassung der Opfer und die ersten Darstellungen des Kampfes gegen das Naziregime zog er eine Linie zu den Versuchen der Adenauer-Regierung, die VVN zu verbieten. Erinnert wurde auch an den historischen Erfolg, 1969 den Einzug der NPD in den Bundestag verhindert zu haben.
Das Kulturprogramm mit dem Liedermacher Willy Karasch, dem Kabarettisten Jens Neutag und der Folkband „Grenzgänger“ stellte den Zusammenhang von antifaschistischem Kampf und politischer Kultur heraus.
Landessprecher Mikosch zeigte sich im Gespräch mit UZ zufrieden mit dem Verlauf der Jubiläumsveranstaltung und hob die zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die politischen Gratulationen unterschiedlicher politischer Akteure hervor. Diese zeigten, dass die VVN-BdA NRW quer durch die politische Landschaft große Anerkennung genieße und auch die Bochumer Kreisvereinigung in der Stadtgesellschaft sehr gut verankert sei. Schließlich gehe es in der antifaschistischen Arbeit darum, von links bis konservativ alle Kräfte gegen Nazis zu bündeln.
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