Erinnerung im Rathaus an die Tagung der Ruhrlade vom 7. Januar 1933

15. Juli 2026

Es ging um die Machtübertragung an Hitler – Mahntafel befürwortet

Der  Dortmunder Ratsausschuss für Bürgerdienste, öffentliche Ordnung, Anregungen und Beschwerden hat sich am 7.7.26 mit dem Antrag der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten ( VVN-BdA) und des Bündnisses Dortmund gegen Rechts befasst, der die Schaffung einer Mahntafel vorsieht, die zum Inhalt hat: „Hier an der Ecke Eintrachtstraße/Hainallee stand die Villa Springorum. Es trafen sich darin am 7. Januar 1933 Franz v. Papen und führende Ruhrindustrielle der geheimen ‚Ruhrlade‘, um über die Machtübertragung an Hitler weiter zu beraten. Sie erfolgte am 30. Januar 1933, und viele Ruhrindustrielle unterstützten sie. Sie profitierten von Krieg, Zwangsarbeit und Antisemitismus.“

Helmut Manz begründete den Antrag namens der Antragsteller. Er erinnerte an die zigtausende Kriegsgefangenen und Zwansgarbeiter, die auf dem Westfalenhallengelände und anderen Orten in Dortmund Sklavenarbeit leisten mussten, was zu exorbitanten Profite der Ruhrindustriellen führte.

Die Motive der Antragsteller wurden von Stadtverordneten gewürdigt. Die Eingabe wurde einstimmig an den Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit zur weiteren Behandlung überwiesen. Helmut Manz hatte ausgeführt:

Ich bedanke mich für die Gelegenheit, heute hier für unseren Bürgerantrag zur Gedenktafel Hainallee sprechen zu dürfen. Wir haben beantragt in Anlehnung an die Mahntafel in Köln, die an das Hitler-Papen-Treffen in Köln am 4. Januar 1933 erinnert, eine Mahntafel in der Hainallee zu installieren. Dort traf sich Papen in der ehemaligen Villa Springorum am 7.Jannuar 1933 mit den Herren der Ruhrlade.

Zu unserem Antrag liegt eine vom Oberbürgermeister unterzeichnete Stellungnahme des Stadtarchivs vor, die eine Ablehnung empfiehlt. Diese Empfehlung ist sehr erstaunlich, weil die Stellungnahme selbst keine inhaltlichen Einwände gegen den beantragten Tafeltext vorträgt, sondern ihn im Gegenteil ausdrücklich bestätigt. Das werde ich nun für alle drei Sätze des beantragten Tafeltextes belegen. Ich beginne mit dem dritten Satz: „Sie“ – also „viele Ruhrindustrielle“ – „profitierten von Krieg, Faschismus und Holocaust.“ Wie nimmt nun die ablehnende Stellungnahme dazu Stellung? Ich zitiere: „Dass die Wirtschaft nach dem Beginn der Kanzlerschaft Hitlers gute Geschäfte mit der nationalsozialistischen Politik gemacht hat, ist unbestreitbar.“ Ich wiederhole: „unbestreitbar“!

Direkt darauf folgt nun in der Stellungnahme ein Satz, der wie ein Einwand klingt. Ich zitiere: „Daraus Schlüsse auf deren Einstellung vor 1933 zu ziehen, ist historisch aber nicht statthaft.“ Der vermeintliche Einwand muss sich auf den zweiten Satz unseres Antrags beziehen, obwohl dieser keine Schlussfolgerung aus dem dritten Satz ist. Er ist eine eigenständige Feststellung mit dem Wortlaut: „Viele Ruhrindustrielle unterstützten bereits vor 1933 die Ziele der Nazis.“
Ist diese Feststellung historisch richtig oder nicht? Das Stadtarchiv schreibt dazu, dass – ich zitiere -: „sich größere Teile der besonders krisengeschüttelten Schwerindustrie an Rhein und Ruhr (Bergbau, Eisen- und Stahlerzeugung) der NSDAP zuwandten.“ Da sich diese Feststellung auf die Zeit vor dem 30. Januar 1933 bezieht, kann auch der zweite Satz unseres Antrags als unumstritten gelten.

Ich komme nun zum ersten Satz: „Hier an der Ecke Eintrachtstraße/Hainallee in der Villa Springorum trafen sich am 7. Januar 1933 Franz von Papen und führende Ruhrindustrielle, um zur Machtübertragung an Hitler beizutragen.“ Auch dieser Satz bleibt einwandfrei – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die sogenannte Stellungnahme des Stadtarchivs nimmt zum Thema des Antrags – nämlich der Ruhrladetagung vom 7.1.1933 – überhaupt keine Stellung. Zu dem Dortmunder Treffen mit Papen an diesem Tag erfahren wir buchstäblich nichts außer, dass es angeblich nicht solch eine „ungeheur[e]“ historische Bedeutung wie das Kölner Treffen vom 4.1.1933 gehabt haben soll.

Dass das Dortmunder Stadtarchiv zu dem Dortmunder Treffen vom 7.1.1933 nichts sagen kann oder will, spricht nicht für das Stadtarchiv. Gegen unseren Antrag spricht es jedenfalls nicht.

Es ist nicht so, dass über dieses Treffen nichts bekannt ist oder dazu nie geforscht worden wäre. Die Berücksichtigung des Forschungsstands gehört zu den akademischen Mindestanforderungen wissenschaftlichen Arbeitens. Nicht sachgerecht und deshalb irreführend ist zudem der Versuch, das Kölner und das Dortmunder Treffen aus ihrem historischen Zusammenhang zu reißen und dann in ihrer historischen Bedeutung gegeneinander auszuspielen. Denn die historische Bedeutung der beiden Treffen folgt aus ihrem historischen Zusammenhang.

Die „ungeheure“ historische Bedeutung, die das Kölner Treffen vom 4.1.1933 heute hat, beruht darauf, dass der dort mit Hitler geschlossene Pakt in den folgenden Tagen und Wochen umgesetzt werden konnte. Ohne diese Umsetzung wäre der Pakt bloßer Plan geblieben und das Kölner Treffen hätte lediglich die historische Bedeutung einer Fußnote. Seine heutige historische Bedeutung verdankt es nicht zuletzt dem Dortmunder Treffen vom 7.1.1933.

Nach ihrem nicht geheim gebliebenen Geheimtreffen am 4. Januar in Köln brauchten Hitler und Papen dringend Unterstützung, um ihren eindeutig kriminellen Plan – die Beseitigung der verfassungsgemäßen demokratischen Ordnung durch die Bildung einer von Hitler geführten Regierung – in die Tat umsetzen zu können. Diese Unterstützung suchten beide am 7. Januar 1933 bei den Ruhrindustriellen. Hitler traf sich an diesem Tag mit Kirdorf in Mülheim und Papen mit der Ruhrlade in Dortmund. Hitler und Papen wussten beide sehr wohl, auf wessen Unterstützung sie unbedingt angewiesen waren.

Schließlich möchte ich noch auf einen sachlichen Fehler in der Stellungnahme des Stadtarchivs hinweisen. Die Behauptung,, dass sich „die führenden Industriemanager“ nicht bei Hindenburg „für Hitler verwandt … haben“, stimmt so nicht. Führende Industrieelle haben in einem Schreiben, das am 22.11.1932 im Büro des Reichspräsidenten eingegangen ist, ihre Unterstützung für eine Hitler-Regierung bekundet. Drei dieser Unterstützer – Albert Vögler, Paul Reusch und Fritz Springorum – waren am 7.1. 1933 Papens Gesprächspartner in der Villa Springorum.

Und nun noch zwei Sätze zu unserer heutigen historischen Verantwortung. Wenn wir dieser Verantwortung gerecht werden wollen, können und dürfen wir die Verschwörung gegen die erste deutsche Demokratie sowie die Installierung und Etablierung der faschistischen Schreckensherrschaft nicht einfach wie längst verjährte Kavaliersdelikte abtun. Das mahnende Gedenken an diese Kapitalverbrechen sind wir uns selbst, unserer Demokratie und -vor allem – den Opfern des Faschismus schuldig.

Zur Vorgeschichte der Eingabe

Angeregt wurden wir zu unserem Antrag durch ein Projekt aus dem Jahre 1996 der Stadt Köln. Damals wurde dort am Hause Stadtwaldgürtel 35 ein Schild geschaffen mit dem Text:

„Hier, im Haus des Privatbankiers Kurt Freiherr von Schröder, trafen sich am 4. Januar 1933 Adolf Hitler und Franz von Papen, um über eine Regierungsbildung zwischen Nationalsozialisten und Rechtskonservativen zu beraten. In einem Gespräch wurden die Weichen für Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 gestellt und die Voraussetzungen für die menschenverachtende Diktatur der Nationalsozialisten geschaffen. Kurt von Schröder unterstützte bereits vor 1933 die Ziele des Nationalsozialismus und organisierte nach 1933 finanzielle Leistungen der deutschen Wirtschaft an die SS.“

Über die Rolle der Treffen Hitlers und von Papens am 4. und 7. Januar 1933 gibt eine Aussage in dem Nürnberger IG-Farbenprozess nach 1945 Auskunft. Bankier Kurt von Schröder sagte vor dem Nürnberger Gericht aus: »Die allgemeinen Bestrebungen der Männer der Wirtschaft gingen dahin, einen starken Führer in Deutschland an die Macht kommen zu sehen, der eine Regierung bilden würde, die lange an der Macht bleiben würde. …  Als die NSDAP am 6. November 1932 ihren ersten Rückschlag erlitt und somit ihren Höhepunkt überschritten hatte, wurde eine Unterstützung durch die deutsche Wirtschaft besonders dringend. …  Ein gemeinsames Interesse der Wirtschaft bestand in der Angst vor dem Bolschewismus und der Hoffnung, dass die Nationalsozialisten – einmal an der Macht – eine beständige politische und wirtschaftliche Grundlage in Deutschland herstellen würden. … In diesem Zusammenhang sind zu erwähnen: eine von Hitler projektierte Erhöhung der deutschen Wehrmacht von 100.000 auf 300.000 Mann…« b.w.

Erklärung vom 7.1.26: https://kpf.die-linke.de/mitteilungen/detail/news/fuer-eine-mahntafel-zur-ruhrlade-tagung-vom-7-januar-1933/

Verantwortlich: Ulrich Sander, Dortmund, VVN-BdA

Helfen (uns) Verfassungsschutz und AfD-Verbot im Kampf gegen Rechts?

6. Juli 2026

In der Veranstaltungsreihe „Roter Salon“ im Werner-Goldschmidt-Salon waren am 9.6. auf Einladung der VVN Gelsenkirchen, zusammen mit den Parteien Die Linke sowie DKP und der Marx-Engels-Stiftung Wuppertal, der Bremer Jurist, Publizist und Bürgerrechtsanwalt Dr. Rolf Gössner sowie der Vorsitzender der FiR (Féderation International des Résistances, Internationale Vereinigung der Widerstandskämpfer) und Ehrenvorsitzender der VVN Bund aufgetreten, um zum Thema „Wie lässt sich die fortschreitende Rechtsentwicklung aufhalten? Helfen (uns) Verfassungsschutz und AfD-Verbot im Kampf gegen Rechts“ zu referieren:

In seinen Ausführungen begründete U. Schneider u.a.: Gemäß der von Erich Kästner angesichts des drohenden Faschismus in Deutschland geäußerten Forderung, man müsse den Schneeball zertreten, ehe er zur Lawine wird, die Forderung der VVN, ein Verbotsverfahren gegen die AfD zu beantragen. Er führte aus, dass die AfD in ihrer mehrheitlichen politischen Ausrichtung verfassungswidrig sei. Lt. dem in unserer Verfassung verankerten Grundsatz “Die Würde des Menschen ist unantastbar“, sei die politische Programmatik und Praxis der Partei diesem Verfassungsgrundsatz diametral entgegengesetzt. Sie verbreite völkisch-rassistisches Gedankengut. Sie störe den gesellschaftlichen Frieden, weil sie Terror ausübe – nicht selbst aber in Verbindung zum gewalttätigen terroristischen Milieu. Sie ist verbunden und vernetzt mit parlamentarischen Gremien, deren Personal zu 50 Prozent einer gefestigten neonazistischen Ideologie anhingen. Dazu käme die Alimentierung der Partei mit öffentlichen Mitteln. Die Kommunen haben keine Handhabe, die Inanspruchnahme des öffentlichen Raums (durch die AfD) zu verweigern. Ob es zu einem Verbotsverfahren kommt oder nicht, sei zwar von Verfassungsorganen abhängig, die Gründe für ein Verbot seien aber zwingend, weil die AfD das friedliche Zusammenleben in der Gesellschaft erheblich störe.

Rolf Gössner stellte fest, dass der Aufstieg der AfD in der Wählergunst vor allem darauf zurückzuführen sei, dass sie als Antipartei gegen das Parteienestablishment wahrgenommen werde. Ein Verbot sehe er als Eingriff in die FDGO und daher als letztes Mittel an. Er nennt zahlreiche Gründe für ein mögliches Scheitern des Verbotsantrags, Unter anderem käme er: zu spät, da inzwischen 30 – 40 Prozent der WählerInnen sie wählten, davon ein erheblicher Teil der arbeitenden Bevölkerung. Im Bundestag sei sie inzwischen die stärkste Partei. Ein Verbotsverfahren würde einen erheblichen Teil der Wahlbevölkerung auf die Barrikaden treiben, auch dadurch geriete der demokratische Friede in Gefahr. Das Verbotsverfahren gründe sich auf Erkenntnissen des Verfassungsschutzes, mit seinen Länderbehörden, Es erstaune ihn sehr, dass auch gerade die linken und fortschrittlichen Kräfte sich dabei auf dessen „Erkenntnisse“ stützten und damit dem Verfassungsschutz Legitimität und Vertrauenswürdigkeit entgegenbrächten. Die zahlreichen Skandale im und um den Verfassungsschutz seien hinreichend bekannt, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem NSU. Ein Verbotsantrag gegen die NPD scheiterte zuletzt daran, dass der Verfassungsschutz zahlreiche Agenten und V-Leute in die Partei platziert hatte. Wie die Begründung für die Einstellung des Verfahrens feststellte, zu viele, um ein Verbotsverfahren erfolgreich durchsetzen zu können. Ein Fiasko, so Gössner. Er warnt vor der Gefahr zahlreicher Fallstricke und strategischer Risiken. Immerhin benötige ein Erfolg im Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht eine Zweidrittelmehrheit des Senats. Inzwischen gebe es seit 2025 ein geleaktes Verfassungschutz-Gutachten zur Hochstufung der AfD vom „Verdachtsfall auf gesichert rechtsextrem“, zu dem das Kölner Verwaltungsgericht einen Zwischenbescheid erlassen hat, wonach verfassungsfeindliche Tendenzen der Partei nicht das Gesamtbild prägten. Das mache einen Erfolg des Verfahrens noch unwahrscheinlicher. Sein Fazit lautet: Verfassungsschutz bekäme noch mehr politischen und medialen Aufwind. Techokratische, autoritäre Lösungen im Kampf gegen die AfD reichten nicht. Die wichtigste Strategie und Lösung des Problems sieht er darin, den politischen Widerstand gegen die derzeitige Politik zu verstärken, und dabei den Mittelstand stärker einzubeziehen.

Die Vorträge lösten eine lebhafte Diskussion aus, der sich die beiden Referenten engagiert stellten. Angesichts der Brisanz des Themas, gerade für Gelsenkirchen, hätte die Beteiligung an der Veranstaltung noch größer sein müssen (30 Besucher, davon viele Anwesende kamen von außerhalb). Die Zurückhaltung lässt sich sicherlich auch auf die Scheu der Presse in Gelsenkirchen zurückführen, von der Veranstaltung überhaupt Kenntnis zu nehmen und entsprechend über sie zu berichten.

Ulla Möllenberg, VVN-BdA Kreisvereinigung Gelsenkirchen

„antifa“ Länderseite NRW- Ausgabe Juli/August

6. Juli 2026

Die aktuelle antifa-Zeitschrift Ausgabe der Länderseiten NRW vom Juli/August 2026 finden Sie hier.

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Die Jugend macht es vor

1. Juni 2026

Heute ist der Umweltschutz, vor allem das Klima das ganz große Thema der Jugend. Doch die Entwicklung bleibt nicht stehen. Fridays for Future (FFF) beriet sich vor einiger Zeit in Dortmund-Wischlingen. Auch Workshops gegen das Militär und gegen den Kapitalismus fanden dort Zuspruch. Greta Thunberg, die 16-jährige Begründerin der FFF-Bewegung sagte etwas sehr Wichtiges: „Ich verlange nicht, dass man uns Kindern zuhört, sondern dass man wissenschaftliche Erkenntnisse ernst nimmt.“ Ernst genommen werden sollten bei FFF außer den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen auch die anderer Wissenschaften und der Friedensforschung, rieten Autoren der Süddeutschen Zeitung und empfahlen Greta Thunberg und ihren Anhängern freitags ein paar neue Schilder mitzubringen. Und zwar gegen das Wettrüsten und die Gefahr des Atomkrieges. (SZ 3.8.19) Noch geschieht dazu zu wenig. Das wird später einzuschätzen sein, von Generationen nach uns. Wenn es sie noch geben sollte.
Zu den neuen Schildern die nötig sind. Die sieht man nun bei Schulstreiks. Dazu teilt Euch mit, was Ulrich Sander am 8. Mai 2026 in Dortmund zur Jugend des Schulstreiks sagte:


Ich spreche im Namen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten, gegründet 1946. Ich bin vom Jahrgang 1941. Das älteste Erlebnis, an das ich mich erinnern kann, ist jenes von der Bombardierung meiner Heimatstadt Hamburg im Jahr 1944. Ich werde dies furchtbare Erlebnis nie vergessen.
Den 8. Mai 1945, den Tag der Befreiung von Krieg und Faschismus, erlebte ich in einem Flüchtlingslager in Mecklenburg. Es kamen Russen in unser Dorf. Einer von ihnen hatte an die Wand des Berliner Reichstags geschrieben: „Wir kamen zu Euch und hoffen, dass ihr nie wieder zu uns kommt.“ Der USA-Präsident Roosevelt nannte in jenen Tagen als oberstes Ziel die „Zerschmetterung des deutschen Militarismus“. Das ist auch ein Auftrag des Grundgesetzes, das in Artikel 139 bekräftigt, dass die Bestimmungen „zur Befreiung des deutschen Volkes von Nationalsozialismus und Militarismus“ weiterhin in Kraft sind. Die AfD ist somit illegal und gehört verboten.
Heute wird eine wüste Hetze gegen die sowjetischen Befreier von 1945 betrieben. Wir sollen uns auf einen neuen Krieg gegen die Russen einstellen, so wie 1914 und 1941. Wir sagen jedoch: Wir wollen Frieden und keinen Krieg. Verhandeln statt schießen ist die Devise.

Am 1. Mai im Dortmunder Westfalenpark kam die Jugend zu Wort. Keine Wehrpflicht! war Eure Hauptforderung. Und dann eine wirkliche Bildungs-, Klima- und Sozialpolitik und daher Schluss mit den irrsinnigen Ausgaben für die Rüstung.

Es ist gut, dass ihr den Aufruf der Arbeiterbewegung zum politischen Streik, wie ihn Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg propagierten, aufgegriffen habt. Den Schülerinnen und Schülern ist zu danken, dass sie den älteren Menschen sagen, wo es lang geht! 

Meine Frau und ich haben zwei Söhne, drei Enkelkinder und eine Urenkelin, und wir sagen mit Reinhard Mey: Nein, meine Kinder geb ich nicht.

Als ich dereinst gemustert wurde, stellte man meine Dienstunfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen fest. Dennoch wurde mir ein Wehrpass ausgestellt und darin stand „tauglich für Ersatzreserve zwei“. Da habe ich verweigert. Meine Empfehlung für heute: Keinen Fragebogen ausfüllen und nicht zur Musterung gehen.

Die Sache mit der Reserve wurde durch Eure Streiks erst richtig bekannt. Wenn ihr länger ins Ausland fahren wollt, sollt ihr die Bundeswehr um Erlaubnis fragen. Ihr sollt Reservisten sein – bis zum Rentenalter. Der Bundeswehrminister teilte kürzlich mit: In den nächsten zehn Jahren soll die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten von 180.000 auf 260.000, die Zahl der ständig einsatzbereiten Reservisten auf 200.000 steigen. Es sollen sich also mindestens 460.000 Soldaten ständig zur Verfügung halten. Und zwar für den Dienst im In- und Ausland. Denn die Notstandsgesetze sehen auch die Amtshilfe der Soldaten im Einsatz gegen die eigenen Landsleute vor, falls diese endlich mal zu einer volksfeindlichen Politik der ‚Kanonen statt Butter‘ massenhaft Nein sagen. Und auf die Straße und in den Streik gehen.

Ganze Zeitungsseiten und hunderte Sendeminuten mit Kriegshysterie müssen wir täglich hinnehmen. Und nie auch nur eine Spalte oder Stunde mit Alternativen aus der Friedensbewegung. Solche Medien verstoßen gegen das Friedensgebot des Grundgesetzes und gegen Artikel 26 zum Verbot der Vorbereitung eines Angriffskrieges. Und Artikel 139, Befreiung vom Nazismus und Militarismus. In der Präambel der Verfassung heißt es, dass das deutsche Volk „dem Frieden der Welt zu dienen“ habe.
Ulrike Eifler von der IG-Metall rief kürzlich dazu auf, „der politischen Klasse das Leben zur Hölle zu machen“, wenn sie glaubt, „sie müssten sich nicht an das Friedensgebot im Grundgesetz halten.“ Jawohl, darum geht es. +++

Über Widerstand und Opfer der Jugend zur NS-Zeit siehe hier:
https://www.ossietzky.net/artikel/unvergessen-widerstand-und-opfer-der-jugend/

Über die Widerständigkeit der Jugend in den letzten 200 Jahren siehe hier:
https://www.ossietzky.net/artikel/200-jahre-jugendliche-widerstaendigkeit/

Über Krupp in Essen und die anderen

1. Juni 2026

Enthüllungen über die Verbrechen der Wirtschaft 1933-1945

Buchvorstellung in der VHS Essen am 27.05.2026

Die Volkshochschule Essen veranstaltete am 27. Mai in Kooperation mit der VVN-BdA eine Buchpräsentation: zum Thema „Wirtschaftseliten und NS-Verbrechen an Rhein und Ruhr“
Es wurde in einer VHS-Information festgestellt: Die Entstehung und Stabilisierung des NS-Regimes beruhte auf der aktiven Unterstützung durch Wirtschaftsführer und ihre Unternehmen. Bei den Planungen für Krieg und Massenmord fungierten sie als Akteure und Profiteure zugleich. Ihre Wirtschaftspolitik stützte sich auf die Ausbeutung von Gefangenen, Zwangsarbeitern und den Opfern der Arisierung. 
Ulrich Sander informierte über das von ihm herausgegebene Buch „Von Arisierung bis Zwangsarbeit“ (papy rossa, Jahr 2012) und seine Wirkungen. Darin werden die Verstrickungen von Kapital und Faschismus am Beispiel des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen untersucht.
Die Volkshochschule informierte weiter: „Die Studie versammelt Fälle von Abs bis Zangen, von Krupp bis Oetker. Sie zeigt, wie Industrielle von der Beseitigung der Demokratie profitierten oder am Holocaust verdienten. Die Firma Krupp etwa feierte vor einigen Jahren ihr 200. Jubiläum und betonte dabei ihre Philosophie eines ‚humanen Kapitalismus‘. Sanders Recherchen zeichnen ein anderes Bild: Das Unternehmen gehörte zu den größten Profiteuren der Kriegswirtschaft und setzte systematisch Zwangsarbeiter ein.“

Ein pensionierter Lehrer schrieb nach Erscheinen des Buches mit der ersten Bilanz der Kampagne „Verbrechen der Wirtschaft an Rhein und Ruhr 1933 bis 1945“ in einer Bochumer Antifa-Zeitschrift:

„Der Autor der folgenden Zeilen unterrichtete 35 Jahre lang Erwachsene im Zweiten Bildungsweg und bedauert, dass das Buch erst jetzt erschienen ist. – Vieles von dem, was von Ulli Sander und seinen Koautoren zusammengetragen worden ist, war seit 1945 bekannt, verfiel aber im hegemonialen Diskurs der kollektiven Erinnerungslosigkeit. Es wird in dem Sammelband mit Nachdruck wieder ins Gedächtnis gerufen. Vieles ist in dieser Eindringlichkeit auch mir wieder neu. – Über die Verbrechen der größten kapitalistischen Konzerne konnte lange Zeit das Schweigen ausgebreitet werden. Erst mit der neu beginnenden Debatte um ‚Arisierung und Zwangsarbeit‘ Ende der 90ger Jahre des vorigen Jahrhunderts musste neu nachgedacht werden. Zunächst versuchten die Konzerne es mit Leugnen, mit angeblich fehlenden Unterlagen und sonstigen Ausreden Dann aber kam Stück für Stück ein Teil der historischen Wahrheit ans Licht: Die Brutalität, mit der die Profitlogik gerade auch im Ruhrgebiet durchgesetzt wurde, erschreckt immer wieder. Und es wird noch einmal vor Augen geführt, dass die allgemeine Entschuldigung, die seit dem 8. Mai 1945 aufgesagt wurde, nämlich ‚Wir haben von nichts gewusst‘ oder ‚Wir mussten auf äußeren Druck so handeln‘ immer schon eine mangelhafte Schutzbehauptung war: Wie konnte es z. B. Bochumer Bürgern verborgen bleiben, dass ein Siebtel der Einwohnerschaft 1944 Zwangsarbeiter waren, deren 130 Lager ‚man‘ kannte, die einem im Betrieb oder beim Marsch vom Lager in die Bochumer Unternehmen begegneten? – Es sei darauf hingewiesen, dass auch die Bochumer VVN – BdA mit einem wichtigen Beitrag von Klaus Kunold, unserem vor einem Jahr leider verstorbenen Vorsitzenden, und Günter Gleising mit Tatorten der Wirtschaft und ihren Verbrechen im Faschismus beteiligt ist. Für Anfänger und Fortgeschrittene in Sachen antifaschistischer Bildung dringend zu empfehlen!“

Wer über die Wirtschaftsgeschichte 1933-1945 in NRW und die Kampagne der VVN-BdA mehr wissen will, gehe zu:
http://www.verbrechen-der-wirtschaft.de.
Das ist das Eröffnungsbild und die Startseite.

Wenn man etwas runter scrollt, kann man am rechten Bildschirmrand in der NRW-Landkarte einzelne Städte auswählen. Beim Anklicken der Stadt Essen kommt man zu:
http://www.verbrechen-der-wirtschaft.de/essen.html.

Zur neusten Entwicklung geht es hier entlang:
https://verbrechen-der-wirtschaft.vvn-bda.

Wenn Sie das komplette Referat der Veranstaltung in Essen lesen möchten, schicken Sie bitte eine Anfrage an folgende e-Mail-Adress: nrw@vvn-bda.de

Auf der folgenden Seite finden Sie noch einige interessante Foto-Beiträge zu dem Thema:
https://r-mediabase.eu/themenfotografie/verbrechen-der-deutschen-wirtschaft/

Gedenkveranstaltung zum 8. Mai in Herten

18. Mai 2026

Am 08. Mai 2026 fand auf dem Gelände der Zeche Schlegel & Eisen in Herten – Langenbochum eine Gedenkveranstaltung zum Tag der Befreiung statt. Veranstalter waren gemeinsam die DGB Ortsgruppe Herten und der Kreisverband Recklinghausen der VVN-BdA. Einen ausführlichen Bericht von der Veranstaltung finden Sie hier.

„antifa“ Länderseite NRW- Ausgabe Mai/Juni

1. Mai 2026

Die aktuelle antifa-Zeitschrift Ausgabe der Länderseiten NRW vom Mai/Juni 2026 finden Sie hier.

Anmerkung: Sollte der link nicht sichtbar sein, klicken Sie „… weiterlesen >>“

8. Mai – Neusser Gedenken an ZwangsarbeiterInnen

1. Mai 2026

Nachdem am 1. Mai auf dem Neusser Friedhof an der Rheydter Strasse den WiderstandskämpferInnen gegen den Hitler Faschismus gedacht wurde, findet am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, eine weitere Gedenkveranstaltung auf dem selben Friedhof statt. An dem Termin laden die Kreisvereinigung Neuss der VVN-BdA und der Neusser offene Antifaschistische Treff (OAT) zu einer Gedenkveranstaltung zu Ehren der in Neuss eingesetzten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ein. Treffen ist um 17:00 Uhr am Eingang des genannten Friedhofs. Von dort aus gehen alle gemeinsam zu den Stellen, die auch heute noch an das Schicksal dieser Menschen erinnern.

Die Einladung zu der Veranstaltung finden Sie hier.

AFD Stadtrundgang Düsseldorf 27.04.2026

29. April 2026

AfD bedient sich an „Versatzstücken der NS-Ideologie“

Obdachlose und suchtkranke Menschen sollen von der Stadtmitte an den Rand der Stadt verdrängt werden, fordert die AfD in Düsseldorf. Nachdem die Bergische Kaserne nicht mehr infrage kommt, schlagen sie das Hafengebiet in Reisholz vor. Die AfD bediene damit sich an „Versatzstücken der NS-Ideologie“, heißt es von Düsseldorfer Straßenmagazin Fiftyfifty.

Etwa 40 AfDler spazierten unter dem Motto „Müll, Gewalt und Drogen“ zur Ortsbesichtigung der bekannten Brennpunkte. Bereits ab dem Nachmittag formte sich energischer Protest auf dem Worringer Platz. Das Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer“ hatte dazu aufgerufen.

In einem aufgebauten Käfig am Worringer Platz versammelten sich Menschen, die ehemals suchtkrank oder obdachlos waren. Aus dem „Freiluftgehege“ sprach Gisa zu den Anwesenden. Die AfD nehme sich heraus, sie wie ein Tier im Zoo zu behandeln, kritisierte sie den geplanten Rundgang. An das Gitter des Käfigs hatten die Aktiven Bananen gehängt. „Wir lassen uns nicht zum Affen machen“, stand auf einem Banner.

Die an dem AfD-Rundgang Teilnehmenden genossen massiven Polizeischutz. Bereits vor der ersten geplanten Station, der Zentralbibliothek beendete eine Sitzblockade jedoch den Rundgang. Dort beteiligten sich noch mehr Demonstrierende. Die „Omas gegen Rechts“ waren ebenso vor Ort wie die Gewerkschaft verdi das Forum Freies Theater (FFT).

Später gab es im Bürgerhaus Bilk eine weitere Veranstaltung. Dorthin hatte der AfD-Kreisverband Düsseldorf die Landtagsabgeordnete Lena Kotré aus Brandenburg eingeladen. Sie ist eine Vertreterin der sogenannten Remigration.

Zu den menschenverachtenden Vorschlägen der AfD erklärte Oliver Ongaro, Streetworker beim Straßenmagazin Fiftyfifty: „Was wir brauchen, sind gute Konzepte – und das geht nur zusammen.“

Falk Mikosch – Landessprecher VVN-BdA NRW

Archiv antifa Länderseiten NRW

27. April 2026

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