Eine Gedenkstätte für die Zwangsarbeiter der Dortmunder Stahlindustrie entsteht

3. April 2019

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Blick vom Kaiserberg auf den Phoenix-See und Hörde (Foto Frank Vincentz, Wikipedia).

Im Dortmunder Phönix-See steht ein Denkmal zu Ehren eines Produktionsmittels: die Thomasbirne, ein Konverter aus der Stahlproduktion, die hier jahrzehntelang in Betrieb war, bevor das Areal geflutet wurde. Daneben wird es – wenn alles gut geht – bald ein weiteres Denkmal geben: das Denkmal für die Produzenten, in diesem Fall für die Zwangsarbeiterinnen.

Der 28. März im Dortmunder Rathaus war ein guter Tag. Nicht nur, weil vom Stadtrat ein Beschluss zur Solidarität mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) angenommen wurde – ihr wurde der Entzug des Status der Gemeinnützigkeit durch das Land NRW angedroht -, sondern auch, weil endlich der Weg zum Bau der Gedenkstätte für die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter der Stahlindustrie frei gemacht wurde. Auf der über eine Brücke erreichbaren Insel mit der Thomasbirne soll nun endlich das Mahnmal in Form einer informativen Gedenkstätte geschaffen werden. Auch zur Erinnerung an jene rund 200, die noch kurz vor Kriegsende weggebracht und in einem nahen Wald ermordet wurden. Einen ersten Antrag für die Gedenkstätte stellte die VVN-BdA im Jahr 2002. Die Beharrlichkeit der Gedenkstättenbefürworter war nun erfolgreich.

Die Begründung des Rates der Stadt Dortmund für den Beschluss

Mehr als 13 Millionen ausländische Zwangsarbeiter wurden während des Zweiten Weltkriegs im Deutschen Reich ausgebeutet. Das nationalsozialistische Deutschland hatte den Krieg lange geplant und vorbereitet. Sein Ziel war die Unterwerfung und Ausbeutung Europas. Dafür wurden die besetzten Gebiete ausgeplündert und Millionen Männer, Frauen und Kinder in das Deutsche Reich verschleppt. Überall wurden Zwangsarbeiter eingesetzt – in Rüstungsbetrieben ebenso wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft, im Handwerk oder in Privathaushalten. Jeder Deutsche ist ihnen begegnet – ob als Besatzungssoldat in Polen oder als Bäuerin in Thüringen. Es war das große öffentliche Verbrechen der Nationalsozialisten.

Allein in der Industriestadt Dortmund waren bis zu 80 000 Männer und Frauen als Zwangsarbeiter eingesetzt. Fast ein Viertel dieser Arbeitskräfte musste allein für den Dortmund Hörder Hüttenverein (DHHV) arbeiten, dessen Werk Phönix an der Stelle des heute gleichnamigen Sees lag.

Zudem befand sich hier am ehemaligen Emschertor/Hermannstraße auf dem Werksgelände während des Zweiten Weltkrieges auf Wunsch der Konzernleitung auch ein Lager der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Zunächst diente das sogenannte Auffanglager für etwa 80-100 Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion dazu, diejenigen, die die menschenverachtenden Ausländergesetze der Nationalsozialisten übertreten hatten, zu „disziplinieren“ und gleichzeitig zu immer unmenschlicheren Arbeitsleistungen für den DHHV zu zwingen.

Im März 1945 diente das Lager zur Unterbringung unterschiedlicher Gruppen von Gestapo-Häftlingen, von denen viele von hier aus in den Rombergpark gebracht und dort kurz vor Kriegsende ermordet wurden.
Bis heute wurde diesem großen öffentlichen Verbrechen der Nationalsozialisten in Dortmund nicht in adäquater Weise gedacht. Für die Stadt Dortmund, die derartig intensiv darin verwickelt ist, die aber zugleich den vielen anderen Verbrechen der Nationalsozialisten vielfältig gedenkt, ist es von besonderer Bedeutung, auch diesem Verbrechen im öffentlichen Raum würdig zu gedenken.

Der Standort am PHOENIX See eignet sich aus dem oben genannten Gründen besonders.
Zudem lassen sich in fußläufiger Nähe nahezu alle Formen der Zwangsarbeit exemplarisch belegen.
Im Rahmen eines Konstruieren-3-Seminars an der Fachhochschule Dortmund wurden im Sommersemester 2013 in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Entwürfe für ein zentrales Dortmunder Denkmal zur Erinnerung an die Zwangsarbeiter erstellt. Als am besten umsetzbar und dem Thema am angemessensten war der Entwurf der Studentin Pia-Laureen Emde. Zusammen mit ihrem Dozenten, Dipl.-Ing. Marc Horstmeier entwickelte sie das Modell weiter.

Der Gestaltungsbeirat der Stadt hat dieses Projekt beraten. Sowohl der Standort als auch die Ausführung des Denkmals werden ausdrücklich positiv zur Umsetzung empfohlen. Der Beirat schlug vor, über eine „Visierung“ (Nachbildung der Umrisse vor Ort in Form einer einfachen Holzkonstruktion) das Feintuning vorzunehmen.
Parallel zur Weiterentwicklung des Denkmals erarbeitet das Stadtarchiv einen vertiefenden Internetauftritt zum Thema „Zwangsarbeit in Dortmund“.

Fotoquelle