Spreewald. Das extrem rechte Netzwerk „Ein Prozent“ kündigt für den 2.Juli ein „Patriotisches Verlagstreffen“ an einem Ort im Spreewald an. Teilnehmen werden bislang der „Jungeuropa Verlag“ des „Ein Prozent“-Leiters Philip Stein, das Projekt „Hydra Comics“ und der „Oikos Verlag“ von Jonas Schick, der die „patriotische“ Öko-Zeitschrift „Die Kehre“ verlegt. Auf dem Programm stehen Vorträge, Lesungen und Diskussionen. So soll Benedikt Kaiser zum Thema „Neue Rechte, alte Rechte, jüngste Rechte – Vom Sinn und Unsinn etablierter Begriffe“ referieren. Michael Schäfer, Chef von „Hydra Comics“, referiert zum Thema „Popkultur als Waffe“ und Jonas Schick spricht über „Natur und Reich“. Zum Abschluss des Tages wird es eine Diskussion über die Frage „Braucht Deutschland wieder eine patriotische Jugendbewegung wie seinerzeit die Identitäre Bewegung?“ geben. Der Einlass zu dem Treffen soll um 13.30 Uhr beginnen, die Veranstaltung um 22 Uhr enden. Der genaue Ort des Treffens wird erst nach Zahlung des Eintrittspreises mitgeteilt (hma).
Wir dokumentieren die Rede von Joachim Schramm, DFG-VK.
Liebe Freundinnen und Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,
heute vor 81 Jahren startete der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion. Das sogenannte Unternehmen Barbarossa war von langer Hand vorbereitet und sollte den „jüdischen Bolschewismus“ vernichten, die „slawischen Untermenschen“, wie es im Jargon der Nazis hieß. Hannelore Tölke hat dazu gerade einiges gesagt.
Die sowjetischen Menschen starben nicht nur fern im Osten, sie starben hier in Deutschland, auch in Dortmund. Auf 27 Friedhöfen in Dortmund finden sich Gräber sowjetischer Bürger, die größte Grabstätte für sowjetische Opfer ist der internationale Friedhof am Rennweg, der auch einer der größten Grabstätten in ganz Nordrhein-Westfalen ist. An den Grabstätten und auf den Gedenksteinen findet man zwar Zahlen über die Menge der Opfer, kaum aber Namen der Menschen, die hier litten oder begraben liegen. Daran hatte lange niemand Interesse. Lange Zeit wurden die an den sowjetischen Menschen verübten Verbrechen verschleiert, die Grabstätten in unserem Land versanken häufig in Vergessenheit. Im Zuge des Kalten Krieges wurden die unvorstellbaren Verbrechen der Wehrmacht und der SS in der Sowjetunion verdrängt. Erst nach Ende des Kalten Krieges räumte vor allem die Wehrmachtsausstellung mit dem Mythos der sauberen Armee auf und thematisierte das Ausmaß der vor allem in der Sowjetunion begangenen Verbrechen.
Die Erinnerung an diese an den Menschen der Sowjetunion begangene Verbrechen war vielfach auch die Motivation, mit der ab Anfang der 90er Jahre Städtepartnerschaften zwischen deutschen Städten und Städten der ehemaligen Sowjetunion entstanden, so auch 1992 zwischen Dortmund und Rostow am Don in Russland. Auch ich war Ende der 80er Jahre in die Anbahnung einer solchen Städtepartnerschaft eingebunden und besuchte die Stadt Kursk. Sie war 1943 Schauplatz einer entscheidenden Panzerschlacht im zweiten Weltkrieg, der Schlacht am Kursker Bogen. Wir trafen dort Menschen, die uns freundlich begrüßten, sich für uns interessierten. Und dann sollte es ein Treffen mit sowjetischen Kriegsveteranen geben. Uns allen war wohl mulmig zumute, wir als Kinder und Enkel der Männer, die so großes Leid über dieses Land und diese Stadt gebracht hatten. Die Veteranen kamen in ihren alten Uniformen, die Brust mit Orden geschmückt. Und sie sprachen nicht von erlittenem Leid und von Rache, sie sprachen von Frieden und das man zusammen die Zukunft gestalten müsse. Und sie nahmen unsere Friedensbuttons und hefteten sie sich an die Brust, neben ihre Weltkriegsorden. An all diese Menschen, die den Faschismus besiegt und unser Land mit befreit haben, denken wir an diesem 22. Juni!
Nicht nur wir hofften Anfang der 90er Jahre auf ein neues Verhältnis zu den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Auch die Menschen dort hofften auf ein neues, vertrauensvolles Zusammenleben im gemeinsamen Haus Europa. Und das schien ja auf einem guten Wege. Es ist eine zwar nicht schriftlich fixierte aber glaubwürdig bestätigte Tatsache, dass in den 2+4 Verhandlungen zur deutschen Vereinigung der Sowjetunion versichert wurde, die NATO werde sich nicht weiter nach Osten ausdehnen. Doch dann hielt sich die NATO nach Auflösung der Sowjetunion schon bald nicht mehr daran. Nach und nach wurden zunächst die ehemaligen Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrages in das verbliebene Militärbündnis aufgenommen, dann auch ehemalige Sowjetrepubliken. Bald trennten nur noch die drei ehemaligen Sowjetrepubliken Georgien, Weißrussland und Ukraine das hochgerüstet Militärbündnis NATO von Russland. Ist es so abwegig, dass diese Entwicklung in Russland als Bedrohung angesehen wurde, auch angesichts der Erfahrungen, die man dort vor 80 Jahren gemacht hatte? Der US-Diplomat und erfahrene Osteuropa-Kenner George F. Kennan sah das so und schrieb bereits 1997 in der New York Times: „Es wäre der verhängnisvollste Fehler amerikanischer Politik in der Zeit nach dem Kalten Krieg, die NATO bis zu den Grenzen Russlands auszuweiten.“
Das ist keine Entschuldigung für den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, der seit dem 24. Februar tobt und bereits zehntausende Opfer gefordert hat. Aber wenn man über die Ursachen dieses Krieges nachdenkt, muss man diese Dinge mit im Auge behalten. Wenn wir in den vergangenen Jahren an die sowjetischen Opfer des II. Weltkrieges gedacht haben, dann haben wir dabei immer an alle gedacht, egal ob sie aus Russland, Weißrussland, der Ukraine oder anderen Teilen der ehemaligen Sowjetunion kamen. Und das sollten wir auch so beibehalten. Hannelore Tölke hat es angesprochen, vor einem Jahr waren wir mit unserer FriedensFahrradtour hier an dieser Stelle und haben der Toten gedacht. Und wir haben uns nicht vorstellen können, dass ein Jahr später die Nachfahren der Männer und Frauen, die hier gemeinsam gelitten haben, gegeneinander Krieg führen würden. Dass heute in der Ukraine Menschen sterben, die den Vernichtungskrieg der Nazis oder die Lager überlebt haben, ist ein großes Unglück und zeigt die Unsinnigkeit des Krieges in seinem ganzen Ausmaß. Und dass Russland den Angriff auf die Ukraine mit dem angeblich notwendigen Kampf gegen dortige Faschisten rechtfertigt, muss den Angehörigen dieser jetzt gestorbenen Menschen wie Hohn vorkommen. Dieser Krieg muss beendet werden, je eher desto besser!
Zu Recht wird davon gesprochen, Deutschland habe angesichts seiner Geschichte eine besondere Verantwortung. Diese gilt gegenüber Israel, aber sie muss auch gegenüber den Menschen in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion gelten. Wir als Deutsche, als deutscher Staat sollten eine besondere Verantwortung gegenüber den Menschen in der Ukraine, in Weißrussland und in Russland übernehmen. Und diese besondere Verantwortung muss doch darin bestehen, das Leben der Menschen zu bewahren, das Töten in diesem schlimmen Krieg zu beenden, einen Krieg zu beenden, der weite Teile der Ukraine in Schutt und Asche legt und Tag für Tag hunderte Zivilisten und Soldaten das Leben kostet. Zu diesem Töten tragen auch die Waffen bei, die aus unserem Land an die Ukraine geliefert werden. Die Zahlen der Opfer schwanken, aber man kann von mindestens 50.000 Toten seit Februar ausgehen, darunter ein hoher Anteil an Zivilisten. Trotzdem hören wir in diesen Wochen leider meistens nicht die Stimmen des Friedens. Wir hören die Stimmen, die vom notwendigen Sieg der Ukraine sprechen, wie von unserer Außenministerin, vom noch Jahre dauernden Krieg, wie vom NATO-Generalsekretär Stoltenberg oder sogar davon, dass NATO-Staaten direkt in den Kampf eingreifen müssten, wie sich der Chef des britischen Generalstabs Anfang dieser Woche äußerte. Diesen Politikern und Militärs sagen wir: dieser Krieg wird keine Sieger kennen sondern immer mehr Verlierer, je länger er dauert. Die wachsenden Spannungen um die Enklave Kaliningrad machen deutlich, dass dieser Kriege auch jederzeit weiter eskalieren kann. Wir brauchen Frieden, nicht militärisches Wortgeklingel.
Heute, am 22. Juni wäre es der passende Tag für deutsche Politiker, für unsere Regierung, sich der eigentlichen Verantwortung gegenüber allen Menschen in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bewusst zu werden und eine Friedensoffensive zu starten. Deutlich zu machen, dass wir nicht auf den Sieg einer der beiden Seiten setzen, dass uns das Leben der Menschen am wichtigsten ist und nicht abstrakte Werte und Aussagen wie „es darf keinen Diktatfrieden geben“, wie „wir wollen alles zurück haben, was uns gehört“. Zwischen der aus Russland zu hörenden Position, die Ukraine sei eigentlich kein eigenständiger Staat und der ukrainischen Position, man wolle alle Gebiete zurückerobern, gibt es Zwischenpositionen. Diese auszuloten und alle diplomatischen Kräfte zu bemühen, sie auf dem Verhandlungswege zu erreichen, dass wäre eine lohnenswerte Aufgabe für die deutsche Regierung. Dabei kann unsere Regierung nicht selbst der Vermittler sein, aber sie könnte solche Vermittler suchen, diese unterstützen und so den Weg zum Frieden in der Ukraine zu öffnen. Dazu rufen wir auf, heute an diesem 22. Juni 2022.
Denn, auch wenn das viele heute nicht gerne hören, wir können uns kein Europa der Konfrontation auf Dauer leisten. Wir sehen in diesen Tagen, wohin diese Konfrontation führt. CO2-schleudernde Kohlkraftwerke werden reaktiviert, es wird über die Verlängerung der Atomkraft nachgedacht, der teuersten und gefährlichsten Energiequelle. Wie soll dem Klimawandel Einhalt geboten werden, das Ziel des Stopps der Erderwärmung erreicht werden, wenn wir das nicht einmal in Europa gemeinsam auf den Weg bringen, sondern uns in Kriege und Konflikte verstricken. Es wird keine Friedensordnung in Europa geben ohne das atomar bewaffnete Riesenland Russland. Wie soll der Klimawandel gestoppt werden, wenn ein isoliertes Russland weiter seine Reserven an Kohle und Gas verfeuert, statt mit westlicher Hilfe erneuerbare Energien stärkt. In Sibirien tauen die Permafrostböden auf und verströmen klimaschädliches Methangas. Geht uns das nichts an, weil das ja dann in einem isolierten Russland passiert? Das können wir uns und unserer Jugend nicht zumuten!
Auch wenn unser Gerechtigkeitsgefühl sagt, wir dürfen eine Aggression wie die russische gegen die Ukraine nicht einfach akzeptieren, muss unser Vernunft sagen, dass wir nicht mehr Waffen und mehr Konfrontation in Europa brauchen, sondern Gespräche, Verhandlungen und Verträge, die mehr Sicherheit in Europa schaffen, aber auch den Weg öffnen können für mehr demokratische Entwicklung. Wir brauchen eine neue Entspannungspolitik. Wir brauchen das gemeinsame Haus Europa, zu dem auch Russland gehört!
Ein Weg dahin könnte die Wiederbelebung der OSZE, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sein, in der alle beteiligten Staaten Mitglied sind. Eine wichtige Basis für eine Entspannungspolitik, für ein respektvolles Miteinander, ist auch der wirtschaftliche Austausch. Der wird jedoch plötzlich nicht mehr als Chance gesehen sondern nur noch als Gefahr der möglichen Erpressung. Wollen wir wieder zurück in ein System autarker Nationalstaaten? Das kann nicht die Lösung sein. Und auch der zivilgesellschaftliche Austausch, die Kontakte von Mensch zu Mensch sind das Fundament, um Feinbilder abzubauen und Verständnis füreinander zu entwickeln, aber auch voneinander zu lernen. Städtepartnerschafen sind Beispiele für einen solchen Austausch. Hierzu zählt aber auch die Übernahme von Verantwortung z.B. für die wenigen noch Lebenden der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter bzw. deren Nachkommen in Form von finanziellen Leistungen durch den deutschen Staat, die es bisher nur in unzureichendem Maße gegeben hat. Dazu bedarf es neuer Kontakte nicht nur mit der Ukraine sondern auch mit Russland und Weißrussland. Das sollte unsere Regierung, aber auch wir alle im Blick haben, auch wenn es angesichts des aktuellen Krieges vielen schwer fällt. Das gehört zu unserer Verantwortung, Verantwortung für das, was in deutschem Namen vor achtzig Jahren an Verbrechen verübt wurde. und was am 22. Juni 1941 begann!
Hamburg. Anlässlich ihres 60jährigens Bestehens führt die einschlägig rechte Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft e.V. (SWG) am Samstag, den 18.Juni, in Hamburg einen Seminartag zur „Deutschen Identität“ durch. Die SWG wurde 1962 in Köln gegründet. Ihr erster Vorsitzender war Hugo Wellems, langjähriger Chefredakteur des „Ostpreußenblattes“ der Landsmannschaft Ostpreußen, ehemals NS-Propagandachef in der Pfalz. Als Referenten für diese Veranstaltung werden angekündigt: Der ehemalige Landesvorsitzende der AfD Niedersachsen, Armin-Paul Hampel, der Staats- und Wirtschaftsrechtler Prof. Dr. Karl Albrecht Schachtschneider, ehemals „Bund Freier Bürger“, der Historiker Dr. Stefan Scheil, Autor in „Zuerst!“, „Sezession“ und der „Jungen Freiheit“, und Prof. Dr. Fritz Söllner, Ökonom und Mitglied der „Hayek-Gesellschaft“ und Autor in der „Jungen Freiheit“. Beginnen soll die Veranstaltung um 10 Uhr im Hotel/Restaurant „Kupferkrug“, Niedergeorgswerder Deich 75 (hma).
Die VVN-BdA NRW feiert in Wuppertal ihr 75jähriges Jubiläum. (Foto: Knut Maßmann)
Mit einem halben Jahr Verspätung konnte die Landesvereinigung NRW der VVN-BdA ihr Jubiläum begehen. Die ursprünglich schon für das letzte Jahr geplante Veranstaltung musste aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie verschoben werden und fand nun endlich am 12. Juni 2022 in der Färberei e.V. in Wuppertal-Oberbarmen statt. Das Programm unter dem Slogan „Antifaschismus und Frieden sind alternativlos!“ war vielseitig und bot Raum für viele Begegnungen und Gespräche, auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Durch die Veranstaltung führte Jochen Vogler.
Falk Mikosch mit Streiflichtern aus 75 Jahren VVN-BdA NRW. (Foto: Knut Maßmann)
„Mein Vater wird gesucht“ und „Solang die Mörder leben auf der Welt“ begrüßten die ersten Gäste. Anschließend präsentierten Beate Kuhlmann und Horst Winstermann mit „Talking Jazz“ angenehme Jazz-Musik, der man zuhören oder während der man der sich auch unterhalten konnte. Nach dem Grußwort des Bürgermeisters Fragemann ließ Falk Mikosch einige Streiflichter aus 75 Jahren VVN aufleuchten. Anschließend gratulierte er gemeinsam mit Knut Maßmann drei langjährigen Mitgliedern, den beiden anwesenden Christa Bröcher und Ulrich Sander wurden eine Ehrenurkunde und ein Buchpräsent überreicht, die Ehrung für die hochbetagte aber rüstige Hannelore Merten werden Falk und Knut im Altenheim nachholen. Last but not least sprach Ulrich Schneider in seiner Doppelfunktion als Bundesprecher der VVN-BdA und Generalsekretär der FIR über die Bedeutung der Landesvereinigung NRW. Mit der Microphone Mafia trat „die einzige Mafia, die die Welt braucht“ auf, die Veranstaltung beschloss der wortwitzige Poetry Slammer Sulaiman Masomi.
„Die einzige Mafia, die die Welt braucht“ – die Microphone Mafia. (Foto: Knut Maßmann)
Jedes anwesende Mitglied erhielt einen Band der Jubiläumsschrift „75 Jahre VVN-BdA NRW“, das die zum 50jährigen Jubiläum erschienenen Streiflichter mit einer fortgeführten Ereignisgeschichte der letzten 25 Jahren verband. Auf fast 500 Seiten findet man alles Wissenwerte über die Geschichte der nordrhein-westfälischen NRW. Allen Mitarbeitenden an diesem Werk sei an dieser Stelle noch einmal herzlich für ihre Mühe gedankt.
75 Jahre VVN-BdA NRW auf fast 500 Seiten. (Foto: Knut Maßmann)
In seiner Bildergalerie hat Knut Maßmann einige Eindrücke festgehalten. Diese kann unter diesem Link angesehen werden.
Bad Homburg/Flensburg. Das 1975 als Verein eingetragene „Preußeninstitut. Institut zur Förderung der preußischen Staatsauffassung sowie des deutschen Geschichts- und Kulturbewußtsein“ hat vom 13. bis 15.Mai seine diesjährige Tagung zum Thema „Preußen und England“ in Bad Homburg durchgeführt. Als Referenten traten dort der rechte Publizist und Historiker Stefan Scheil, Vorsitzender der „Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt“, Helmut Roewer, ehemals Präsident des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz und heute einer der Autoren des extrem rechten Magazin „Compact“, sowie Jürgen W. Schmidt, 1.Vorsitzender des „Preußeninstitut“, auf. Die nächste Jahrestagung des Vereins soll vom 9. bis 11.Juni 2023 in Flensburg stattfinden und sich mit dem Verhältnis Preußens zu Dänemark und dem russischen Zarenreich beschäftigen (hma).
„Sommerfest“ in Schnellroda
Schnellroda. Das neurechte „Institut für Staatspolitik“ will am 30. und 31.Juli ein Sommerfest im Rittergut Schnellroda durchführen. Beginnen soll die Veranstaltung am Samstag um 11 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr enden. Angekündigt werden eine Podiumsdiskussion zweier Vertreter der AfD über die unterschiedlichen Sichtweisen auf den Krieg in der Ukraine, das literarische Trio „Aufgeblättert. Zugeschlagen“ mit Susanne Dagen (Buchhaus Loschwitz) und Ellen Kositza, die als Gast den Autor und PR-Berater Thor Kunkel begrüßen werden, ein Literaturgespräch mit Erik Lehnert und Götz Kubitschek, eine Debatte mit Publizisten und Politikern sowie einige Vorträge und Autorengespräche. Die Vorträge und Diskussionen werden vor rund 150 bis 200 Personen in der Gaststätte „Zum Schäfchen“ stattfinden. Vor dem Verlagsgebäude am Rittergut sollen Festzelt, Bierwagen und Grill zur Verfügung stehen. 300 Teilnehmerkarten seien zu vergeben, heißt es in der Bewerbung dieser Veranstaltung (hma).
NPD bleibt NPD
Altenstadt. Mitte Mai fand im hessischen Altenstadt der 38. ordentliche Bundesparteitag der extrem rechten NPD statt. Neben der Neuwahl des Parteivorstandes standen mehrere Anträge zur Beratung an. Ein Satzungsantrag des Parteivorstandes stand dabei im Mittelpunkt. Im Kern ging es um die Umbenennung der Partei in „Die Heimat“. Dieser Antrag fand nicht die nötige Zweidrittelmehrheit der 154 Delegierten. Mit 100 zu 54 Stimmen fehlten für eine Satzungsänderung drei Stimmen. In seinem Rechenschaftsbericht stellte Parteivorsitzender Frank Franz dar, dass die NPD als Wahlpartei bei überregionalen Wahlen aktuell keine Chance auf positive Ergebnisse habe. Künftig solle sich die NPD verstärkt als Netzwerker, Dienstleister, punktueller Bündnispartner und regionaler Motor von Bürgerprotesten und regierungskritischen Initiativen verstehen. Bei den Neuwahlen wurde Frank Franz (Saarland) als Parteivorsitzender bestätigt. Als seine Stellvertreter wurden Udo Voigt (Berlin), Thorsten Heise (Thüringen) und Sebastian Schmidtke (Berlin) gewählt. Auf dem Parteitag angekündigt wurde eine Vereinfachung der Verwaltungsaufgaben u.a. durch Straffung der Organisation. Zudem will man sich auch auf den Antritt bei Kommunalwahlen konzentrieren. In der Vernetzung systemkritischer Strömungen wolle sich die NPD als erfahrener Dienstleister anbieten. In einem Kommentar auf der Internetseite der Partei „Die Rechte“ bezweifelt Christian Worch, ob „mit den gleichen vielfach verkrusteten Strukturen ein neues, frischeres, moderneres Auftreten“ der NPD nach außen hin möglich sein werde (hma).
Militaristische Schlagseite der Diskussion zum Krieg Die Debatte zum Krieg zwischen Russland und der Ukraine wird überwiegend im Sinne einer militärischen Logik geführt. Das Treffen der Verteidigungsminister von 40 Nato- und verbündeten Staaten am 26.April 2022 auf dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz, zu dem die USA eingeladen hatten, ist sinnbildlich für diese Debatte mit militaristischer Schlagseite, wie es der SPD-Politiker Rolf Mützenich kürzlich formuliert hatte. Die Außenpolitik hat sich dieser Logik offensichtlich unterworfen. Das Primat der Politik tritt in den Hintergrund.
Mangelhafte Debattenkultur Es findet keine kontroverse Diskussion über mögliche Szenarien zur Beendigung des Krieges oder zu möglichen Reaktionen auf den Angriffskrieg statt, schon gar nicht zu den Zielen, die die unterschiedlichen Lager mit ihrer Politik gegenüber der Ukraine und dem Aggressor Russland verfolgen. Stattdessen werden Menschen, die eine Haltung abseits von Waffenlieferungen vertreten, unisono als „Bequemlichkeitspazifisten“ (Kommentar Fr. Girschik/Tagesthemen) oder auch als „Fünfte Kolonne Moskaus“ (Alexander Graf Lambsdorf) oder gar „Putinversteher“ diffamiert, Begriffe, die dazu geeignet sind, politisch anders Denkende auszugrenzen. Zu Recht mahnte der Mitbegründer der Grünen Hans-Christian Ströbele am 3. Mai 2022 in der Frankfurter Rundschau mehr Reflexion und eine nachvollziehbare Begründung der politischen Entscheidungen gegenüber der Parteispitze an. Dazu ist nach unserer Auffassung aber ein politischer Diskurs notwendig, der ohne Beleidigungen und Diffamierungen auskommt.
Strategiewechsel hin zu einem Stellvertreterkrieg Zum Besuch des US-Außenministers Antony Blinken und des US-Verteidigungsministers Lloyd Austin am Sonntag, dem 24. April 2022, in Kiew schreibt das Handelsblatt: „Wir wollen Russland so sehr geschwächt sehen, dass es nicht mehr in der Lage sein wird, Dinge wie diese zu tun, die es mit der Invasion der Ukraine getan hat“, sagte der Verteidigungsminister Austin auf einer kurzen Pressekonferenz an der ukrainisch-polnischen Grenze. Russland habe signifikante militärische Verluste erlitten, auch „viele Soldaten“, erklärte der pensionierte Vier-Sterne-General. Das Pentagon setze nun alles daran, sicherzustellen, dass Russland nicht in der Lage sein wird, „diese Kapazitäten schnell wieder aufzubauen“. (US-Verteidigungsminister Austin: USA wollen Russland geschwächt sehen, in: Handelsblatt, 25.4.2022) Diese Aussage lässt den Schluss zu, dass es nun längst nicht mehr um eine Unterstützung der Ukraine zum Zweck ihrer Selbstverteidigung geht. Die Ukraine wird immer mehr zu einem Schlachtfeld der Großmächte, zu einem imperialistischen Schlachtfeld. Auch von den bundesdeutschen Befürworter:innen von Waffenlieferungen ist immer öfter zu hören, dass die ukrainischen Streitkräfte „für unsere Ziele und Werte kämpfen“. Das Recht und das berechtigte Interesse der Ukraine zur Selbstverteidigung gegen die russische Aggression werden hier ausgenutzt, um den Kalten Krieg nun endgültig zu gewinnen. Es geht mittlerweile um einen Stellvertreterkrieg und dies kann und darf nicht auf dem Rücken der ukrainischen Zivilbevölkerung sowie der Wehrpflichtigen auf beiden Seiten ausgetragen werden!
Die Gefahr eines 3. Weltkrieges Diese Gefahr und mit ihr die einer nuklearen Katastrophe ist um so größer, je länger dieser Krieg andauert. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges am 24.2.2022 ist eine Eskalation deutlich zu vernehmen. Von einem Nein zur Lieferung von Waffen unter Berufung auf das Außenwirtschaftsgesetz ist mittlerweile die aktive Teilnahme der BRD an der Lieferung jedweder Waffengattung an die Ukraine geworden. Es ist nicht unrealistisch, dass mit russischem Beschuss zum Beispiel dieser Lieferungen eine weitere Eskalationsstufe in Kraft tritt, die alsbald zu einem Point-of-no-return führt, an dessen Ende die Vernichtung der menschlichen Zivilisation steht. Dass auch unbeabsichtigte direkte Zusammenstöße zwischen Nato und Russland sehr realistisch sind, zeigt ein Vorfall, der sich am 30. April 2022 über der Ostsee vor der Insel Rügen ereignet hat, als ein russisches Aufklärungsflugzeug von zwei deutschen Maschinen noch im internationalen Luftraum weg von Deutschland begleitetet worden sei. (Die Frankfurter Rundschau berichtete am 4. Mai 2022 darüber) Der Abschuss einer Suchoi Su-24 der russischen Luftwaffe am 24. November 2015 im türkisch-syrischen Grenzgebiet über der syrischen Provinz Latakia durch die türkische Luftwaffe zeigt deutlich, wie schnell beispielsweise Luftraumverletzungen in eine bewaffnete Auseinandersetzung münden können. Die Grenzüberschreitung von einer nichtkriegsführenden zu einer kriegsführenden Partei hat am 16. März 2022 (vor dem Bundestagsbeschluss zur Lieferung der Gepard-Panzer an die Ukraine also längst bekannt) der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages in einem Gutachten beschrieben: Erst wenn neben der Belieferung mit Waffen auch die Einweisung der Konfliktpartei bzw. Ausbildung an solchen Waffen in Rede stünde, würde man den gesicherten Bereich der Nichtkriegsführung verlassen. (Rechtsfragen der militärischen Unterstützung der Ukraine durch NATO-Staaten zwischen Neutralität und Konfliktteilnahme Aktenzeichen: WD 2 – 3000 – 019/22) Obgleich die Bundesregierung die Gefahr zurzeit leugnet, wird in diesem Gutachten die reale Gefahr einer Auseinandersetzung zwischen Russland und der Nato dokumentiert. Ein solches Szenario hilft auch der unterstützten Ukraine nichts.
Was ist unser Standpunkt? Was fordern wir? • Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass dieser Krieg und damit das massenhafte Sterben so schnell wie möglich beendet werden muss! • Das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine anerkennend, lehnen wir Waffenlieferungen dennoch ab. Diese führen dazu, dass der Krieg heftiger, verlustreicher und länger von beiden Seiten geführt wird. Zu befürchten sind dabei weiter stark ansteigende Opferzahlen auf beiden Seiten und ein massiver Anstieg der Fluchtbewegung. Deeskalation als Bedingung humanitärer Hilfen, einer Feuerpause oder eines Waffenstillstandes als weitere Voraussetzung für substantielle Verhandlungen kann so nicht stattfinden. Deeskalation und eine Beendigung der Kämpfe sind aber dringend geboten. Wir sind der Auffassung, dass die politischen Entscheidungsträger ihrer Aufgabe nicht gerecht werden, indem sie ernstzunehmende diplomatische Initiativen erst gar nicht in Bewegung setzen oder bestehende Vermittlungsversuche nicht ausreichend unterstützen und untermauern. Die Reise des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, António Guterres, am 26. April 2022 nach Moskau und anschließend in die Ukraine wurde z. B. von der EU oder der Nato nicht zum Anlass genommen, die damit verbundenen Bemühungen u.a. für eine Waffenruhe zur Verwirklichung der Evakuierung von Zivilisten politisch und perspektivisch zu unterstützen. Gleiches gilt für das Angebot des ukrainischen Präsidenten, Wolodymyr Selenskyj, selbst unter dem Eindruck der Massaker von Butscha weiter verhandeln zu wollen. Die ukrainischen Angebote der Neutralität und des Verzichtes auf eine NATO-Mitgliedschaft lagen da bereits auf dem Tisch, wurden aber von westlicher Seite nicht offensiv unterstützt. Die laufenden Verhandlungen, zu der die Türkei nach Antalya eingeladen hat, werden vermutlich zu keinem positiven Ergebnis führen, weil die Staaten, die die Ukraine unterstützen, nicht beteiligt sind, obwohl gerade das in den Verhandlungen mit Russland geboten wäre. Warum unterstützen wir (Nato, EU…) diesen Prozess nicht tatkräftig und lassen hier die Chance für die Ukraine auf Frieden und ein Ende des Massensterbens ungenutzt? Auch die vereinzelte Besuchs- und Telefondiplomatie des Bundeskanzlers Olaf Scholz, des französischen Präsidenten Emanuel Macron, Anton Hofreiters (Grüne), Marie-Agnes Strack-Zimmermanns (FDP) und Michael Roths (SPD)… waren nicht geeignet, einen nachhaltigen Entspannungsprozess in Gang zu setzen dienten der Selbstinszenierung. Bestehende und gemeinsame Formate für Verhandlungen existieren, werden aber nicht genutzt. Zu erwähnen sind hier die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie der Nato-Russland-Rat. Diese weitestgehende Ausklammerung der Diplomatie sowie die Gefahren für den Weltfrieden, die mit Waffenlieferungen verbunden sind, führen uns zur Forderung: • nach einer diplomatischen Initiative im Rahmen der Vereinten Nationen (UN), der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) oder des Nato-Russlandrates unter Beteilung der Ukraine, Russlands, der USA sowie der EU. • Ein Ende der Waffenlieferungen in das Kriegsgebiet als Voraussetzung vertrauensbildender Maßnahmen und späterer Verhandlungen. • Rückzug der russischen Truppen vom Staatsgebiet der Ukraine. Es geht dabei nicht um eine Kapitulation oder – wie es oft heißt – eine Unterwerfung gegenüber Russland. Es geht dabei um den Versuch, den Krieg, das damit verbundene Massensterben, das Leid der Zivilbevölkerung und die Fluchtbewegung zu stoppen. Das ist nach unserer Auffassung das vorderste Ziel, das es zu verwirklichen gilt, bevor Friedensverhandlungen beginnen.
Ziele von Friedensverhandlungen müssen sein: • Die Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine als neutraler Staat unter Berücksichtigung regionaler Interessen (Autonomiestatus in der Donbass-Region, wie es das Minsk 2-Abkommen vorsieht, oder der Krim). • vertrauensbildende Maßnahmen wie die Abrüstung konventioneller und atomarer Waffen insbesondere an der russisch-ukrainischen Grenze sowie in den osteuropäischen Nato-Staaten • Die Weiterentwicklung eines gemeinsamen Systems kollektiver Sicherheit, z.B. der OSZE Kein neues Wettrüsten Die VVN-BdA NRW lehnt auch die Bereitstellung von 100 Milliarden Euro für die Aufrüstung der Bundeswehr sowie die Festlegung des Wehretats auf das 2-Prozent-Ziel ab. Die militärischer Hochrüstung und dem Prinzip der Abschreckung innewohnende Denkweise dient nicht dem Ziel der Friedenssicherung und der Entwicklung hin zu einer tragfähigen friedlichen Koexistenz. Das der russischen Armee zahlenmäßig und technisch überlegene Militärpotenzial der Nato hat die russische Regierung am 24. Februar 2022 nicht davon abgehalten, die Ukraine mit einem grausamen Angriffskrieg zu überziehen. Wohlwissend, dass die Ukraine sich militärisch und politisch längst der NATO angenähert hatte – gemeinsame Übungen, Bewaffnung und Ausbildung durch Nato-Staaten, Integration in Nato-Befehlsstrukturen… . Auch die kürzlich in Ramstein beschlossene massive Ausweitung der Militärhilfe insbesondere durch die USA, die alleine Rüstungsgüter in Höhe von ca. 30 Milliarden Dollar zur Verfügung stellt (zur Verdeutlichung der Dimensionen: Die Ukraine hat einen Verteidigungsetat von ca. 6-7 Milliarden, Russland von ca. 65 Milliarden) führen offensichtlich nicht zur Abschreckung oder zum Einlenken der russischen Regierung. Militärische Logik ist und bleibt eine Sackgasse und ist über Kurz oder Lang zum Scheitern verurteilt. An konkreten Verhandlungsangeboten oder an der Unterstützung von existierenden diplomatischen Initiativen (z. B. des Generalsekretärs der Vereinten Nationen) führt nach unserer Auffassung kein Weg vorbei. Dass diese nicht einfach werden und ganz bestimmt nicht schnell zu einem alle Seiten befriedigenden Interessenausgleich führen, erkennen wir an. Sie sind aber das einzige Mittel, das geeignet ist, schnell humanitären Hilfen, Feuerpausen, vertrauensbildende Maßnahmen zu vereinbaren und später Interessen zu sondieren, um damit in weiteren Schritten Perspektiven für alle beteiligten Parteien zu entwickeln.
Das extrem rechte Netzwerk „Ein Prozent“ ruft zur Unterstützung des Jungeuropa Verlags auf. Bei dem Verlagsprojekt des „Ein Prozent“-Leiters Philip Stein gehe es nun „um Markenrechte, Verwechslungsgefahr und echte Solidarität“. Die Europa Verlage GmbH befürchtet, eine Namensähnlichkeit würde der rechte Jungeuropa-Verlag dazu nutzen, Kunden des Europa Verlags abzufischen. Der Name Jungeuropa sei vom Europa Verlag abgekupfert worden und Kunden des Europa Verlags könnten verwirrt sein, ja, sogar beim falschen Verlag einkaufen. Stein selbst weist diesen Vorwurf als „absurde Unterstellung“ zurück. Nun wird sich das Landgericht Leipzig mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Die Existenz des patriotischen Projekts stehe damit auf der Kippe, so „Ein Prozent“. Sollte die Klage Erfolg haben, müsste der Name Jungeuropa getilgt werden, eventuell sogar Schadensersatz gezahlt und alle Bücher vernichtet werden. Daher ruft „Ein Prozent“ nun zu Spenden für den Verlag auf und zum verstärkten Kauf seiner Bücher (hma).
Am 26. Oktober 1946 wurde in Düsseldorf die VVN Nordrhein-Westfalen gegründet. Aus diesem Anlass hatten wir ursprünglich für den 23./24. Oktober 2021 eine große Veranstaltung im Zentrum Altenberg in Oberhausen geplant. Diese sollte insbesondere auch die vielen neuen Mitglieder ansprechen, die im Zuge des Entzugs der Gemeinnützigkeit aus Solidarität Mitglied der VVN-BdA geworden sind. Doch leider hatte uns die Entwicklung der Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nachdem wir im nächsten Schritt eine etwas kleinere Veranstaltung geplant hatten, mussten wir schließlich die Veranstaltung ganz auf den Juni 2022 verschieben.
Doch nun sind wir in der Lage, Mitglieder und Freund:innen für den 12. Juni 2022 nach Wuppertal einzuladen. Unter dem Motto Antifaschismus und Frieden sind alternativlos! wollen wir im Rahmen einer Matinee die Jahre seit unserer Gründung Revue passieren lassen und einen Ausblick für die nächste Zeit versuchen. Wir verbinden das mit einem Kulturprogramm sowie mit Essen und Trinken. Bereits jetzt hoffen wir auf eine interessante Veranstaltungen für neue und alte Mitglieder der VVN-BdA NRW und für alle, die uns in unserem Kampf um die Gemeinnützigkeit unterstützt haben.
Einladungsflyer und (kostenlose) Eintrittskarten sind den Kreisvereinigungen zugegangen. Ort der Jubiläumsfeier ist die Färberei e.V., Zentrum für Integration und Inklusion, Peter-Hansen-Platz 1, 42275 Wuppertal. Einlass 11 Uhr.
Raum Dortmund. Die Partei „Die Rechte“ wirbt auf ihrer Internetseite für den „Fortress Europe“-Kongress. Das extrem rechte Vernetzungstreffen soll am 30. April im Raum Dortmund stattfinden. Erwartet werden Gesinnungskameraden aus Deutschland, Ungarn, Bulgarien, der Schweiz, Frankreich und Tschechien. In Zeiten „multikultureller Verwerfungen, der Zerstörung völkischer Identitäten und antinationaler Bestrebungen der Globalisten“ sei es für europäische Nationalisten umso wichtiger, zusammenzuhalten, heißt es in der Bewerbung der Veranstaltung. Dieser Kampf sei „essentiell für jedes stolze, freie und weiße europäische Volk“. Bei diesem Kongress handele es sich um eine geschlossene Veranstaltung, bei der eine vorherige Anmeldung erforderlich sei (hma).
Nach zwei Jahren „stillen Gedenkens“ konnte in diesem Jahr wieder eine Veranstaltung am Mahnmal Wenzelnberg stattfinden. Hier liegen 71 Tote aus dem Gefängnis Remscheid Lüttringhausen und aus dem Wuppertaler Gefängnis, die auf Befehl von Generalfeldmarschall Modell von der GESTAPO noch in den letzten Kriegstagen 1945 ermordet worden sind. Alljährlich findet hier eine Gedenkfeier statt, an der in wechselnder Verantwortung die Städte Wuppertal, Langenfeld, Solingen, Remscheid und Leverkusen beteiligt sind. In diesem Jahr wurde die Veranstaltung von der Stadt Solingen durchgeführt. Wir dokumentieren die Rede, die Petra Lindenau von der VVN-BdA Solingen gehalten hat. Weitere Fotos finden sich hier.
Sehr geehrte Anwesende, Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, Liebe Schülerinnen und Schüler,
„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“
Ein Zitat aus der Todesfuge geschrieben von einem der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter des 20. Jahrhunderts Paul Celan geboren 1920 als Paul Antschel in Czernowitz, heute Tscherniwzi in der Westukraine, nahm sich 1970 in Paris das Leben. Er litt sein Leben lang darunter, dass er seine Eltern, die deportiert und ermordet worden waren, vor den Deutschen nicht hatte retten können, während er durch zufällige Abwesenheit davon gekommen war.
24 Millionen Menschen wurden ermordet, starben durch Hunger, Krankheiten, als Zwangsarbeiter oder als Soldaten allein in dem Gebiet der damaligen Sowjetunion, zu der auch die heutige Ukraine und Weißrussland gehörten.
In dem aktuell restaurierten zuerst 1986 erschienenen Film des Regisseurs Elem Germanowitsch Klimow, Komm und sieh, eigentlich idi i smotri, also geh und sieh heißt es im Nachspann, dass wie im Film, in dem die Bewohner eines Dorfes von der abziehenden deutschen Armee in eine Scheune gesperrt und verbrannt wurden, ähnlich mit 628 Dörfern Weißrusslands verfahren wurde. Das ist die Geschichte.
Das Wissen darum schwindet gegen Null. Es gibt Schulbücher zur Gesellschaftslehre, die den Krieg im Osten mit folgendem Text bedenken, wörtlich und komplett abgeschrieben, heißt es: “Am 22. Juni 1941 ließ Hitler die Sowjetunion überfallen, obwohl er mit diesem Land einen Nichtangriffspackt geschlossen hatte. Hitler beabsichtigte nicht allein einen militärischen Sieg, sondern führte einen Vernichtungskrieg gegen die Slawen. Den Truppen der deutschen Wehrmacht folgten Einheiten der Gestapo, der Polizei und der SS und ermordeten alle Juden, die sie erreichen konnten. Die Weite des Landes und der ungewöhnlich starke Winter stoppten den deutschen Vormarsch. Die Niederlage bei der russischen Stadt Stalingrad 1942/43 kennzeichnete die Wende.“
Zur Erinnerung: dieser Text steht so und nicht mehr in einem deutschen Schulbuch von 2014, um den Krieg gegen die Länder der Sowjetunion abzubilden. Nur zwei Sätze ebenso verkürzt wie unerklärt folgen noch an anderer Stelle des Schulbuches unter der Überschrift „Kriegsende“: „Frankreich und vor allem die Sowjetunion brachten auch deutsche Kriegsgefangene in ihre Länder und ließen sie dort schwere Arbeit verrichten. Erst 1952 ließ die Sowjetunion die letzten Kriegsgefangenen frei.“
Wir finden uns hier ein, heute am 24. April 2022, wie alljährlich, ausgenommen in den letzten beiden Jahren der Pandemie, die nur eine Kranzniederlegung erlaubten, weil wir uns erinnern und die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht vergessen wollen.
Am 13. April 1945 wurden an dieser Stelle 71 Insassen aus dem Zuchthaus Remscheid – Lüttringhausen und dem Polizeipräsidium Wuppertal von ca. 100 Gestapo-, Kripobeamten, Schutzpolizisten und der Polizeibereitschaft erschossen und vergraben.
Wehrte Anwesende, Sie kennen die Geschichte, eines von vielen „Endphasenverbrechen“. Als gesichert gilt, dass das Wenzelnberg-Massaker ein Befehl war des Oberbefehlshabers West, Generalfeldmarschall Walter Model vom 7. April 1945. Er, der Hauptverantwortliche hatte sich am 21. April 1945 selbst erschossen.
Zur Aufarbeitung wurden die Aussagen des Polizeidirektors Engelhardt entscheidend.
Er berichtete der Militärregierung, dass mindestens 500 Gefangene abgeholt werden sollten, die Reduzierung auf 60 von ihm ausgewählte rechnet er sich als Widerstand an. Dass von Engelhardt nur 8 der aus politischen Gründen Inhaftierten für den Transport ausgesucht waren, er andere zu Außenarbeiten weggeschickt oder versteckt haben soll, wurde auch hier an diesem Ort in Reden als Akt der Menschlichkeit und Solidarität gewertet. Wahrheit oder Mythos, wir wissen es nicht genau. Eine weitsichtige Vorbereitung der Entlastung für die Nachkriegszeit liegt nahe.
Engelhardt war Zuchthausdirektor, das darf bei seiner Entlastung nicht vergessen werden. In Zuchthäusern wurde misshandelt, Nahrung entzogen, Zwangsarbeit angeordnet, ausgebeutet bei gefährlichen Arbeiten wie Bombenentschärfen, „massiv in das weitere Leben der Häftlinge ein ..(gegriffen). Wurden ungünstige Beurteilungen verfasst, waren Gefangene in größter Gefahr, bei den nächsten „Abgaben an die Polizei“ … auf Transport in die Konzentrationslager zu geraten.“ Zitiert nach einem Aufsatz des Historikers Stephan Stracke „Die Morde in der Wenzelnbergschlucht“ aus dem Buch: „In letzter Minute“.
Viele Akten sind gelesen, Vieles ist aufgearbeitet, gewollte Widersprüchlichkeiten führten zu keiner Verurteilung. 77 Jahre nach dem Kriegsende bleibt noch immer viel, das gesucht, gelesen, beurteilt werden sollte.
Die Stadt Solingen hat 2019 entschlossen gehandelt. Der Forschung und Darstellung des lokalen Geschehens in der Zeit des Nationalsozialismus wird ein Ort zur Verfügung gestellt.
Die Mitglieder und Freunde der VVN/BdA Solingen waren Jahre darum bemüht, die bedrohten, verfolgten, entwürdigten oder getöteten Solinger ArbeiterInnen und alle, die nicht einverstanden waren mit Nationalsozialismus und Krieg angemessen zu würdigen, öffentlich zu dokumentieren, einen finanzierten Ort zur Ausstellung zu finden.
Die Ablehnung des Denkmalschutzantrages für die Gebäude der „Bergischen Arbeiterstimme“, der angekündigte Abriss sammelte Solinger Bürger aus Organisationen, Politik und privat Interessierte hinter dem „Nein“ zu dem auch in Solingen häufig gehörten Satz: „Es muss doch einmal gut sein“.
Am 4. Mai 2019 stimmte in den Räumen der vhs eine Mehrheit der um die 120 anwesenden SolingerInnen dem Vorhaben, der inzwischen entstandenen Arbeitsgruppe eine Bildungs- und Gedenkstätte in Solingen an einem Ereignisort zur Zeit des Nationalsozialismus einzurichten, zu.
Am 18. 9. 2019 wurde der Verein Max-Leven Zentrum offiziell gegründet, vergrößert sich, ist aktiv in einigen Projekten und sieht gespannt der Entstehung des neuen Sparkassengebäudes zu, in dem das Zentrum Raum an historischer Stelle in der Max-Leven-Gasse, dem ehemaligen Standort der Bergischen Arbeiterstimme bekommt, eine Zentrale für Bildung und Forschung zu Solinger Arbeiterbewegung, Verfolgung, Widerstand und angrenzenden Themen.
„… und laut zu sagen: Nein.“ Ist der Titel, der treffend den Inhalt spiegelt, der Ausstellung, die die erste große Arbeit des Vereins und das zweite Ereignis ist, der Zeit, in der wir uns hier nicht treffen konnten, über das ich berichte.
Ohne das Stadtarchiv, Stephan Stracke, Daniela Tobias wäre die Ausstellung nicht umfangreich, aussagekräftig, gerichtsfest, eindrucksvoll gestaltet, vielleicht nicht entstanden. Alle weiteren an Recherche, Texten und Präsentation Beteiligten werden im Katalog zur Ausstellung genannt.
Auf 63 Tafeln werden im Kontext der politischen Ereignisse Schicksale aus Solingen präsentiert.
Menschen, die sich nicht abgefunden, die trotz Schikanen und Bedrohungen durch Polizei, Behörden, KollegInnen, Nachbarn, sogar Verwandte auch nach 1933 versucht haben, Widerstand zu leisten, in Organisationen oder auch im Alltag, bei der Arbeit, beim Einkauf oder Hilfen für Familien von Inhaftierten leisteten, Eingaben an Gerichte formulierten, fokussiert die Ausstellung.
Verantwortliche wie der Solinger Architekt Paul Blobel für das Töten von 30000 jüdischen Menschen in der Schlucht von Babi Yar und in Nürnberg zum Tode verurteilt, werden beschrieben, wie auch Fritz Gräbe, ebenfalls Solinger und Architekt, eingesetzt in Wolhynien, heute Ukraine und Belarus, der in Nürnberg aussagte, der seine jüdischen Arbeiter vor dem Tod bewahrte, nachdem er die Massaker miterlebt hatte, der wegen seiner Aussagen Hetzkampagnen erleben und emigrieren musste.
Einige Menschen wurden gerettet, viele andere ermordet, weil sie eine andere Politik wollten, weil sie Juden, Sinti oder einfach anders waren, nicht der geforderten Norm entsprachen. Von Solingern, die „Nein“ sagten, erzählt die Ausstellung, Fotos aus privaten Sammlungen, Ablichtungen von Originalen des Stadtarchivs, von Gestapounterlagen, ergänzen sie.
Jeweils eine bis drei Tafeln zeigen beispielhaft die Solinger Arbeiterbewegung, Jüdisches Leben und Judenverfolgung, Christlichen Widerstand, Euthanasie, Zwangsarbeit, Kriegsfolgen und das Kriegsende in Solingen.
Zum 75. Kriegsende sollte die Ausstellung eröffnet werden, zum 76. wurde die Eröffnung gestreamt, zum 77. am 8. Mai 2022 beginnt das diesjährige Begleitprogramm mit einer Führung zum Kriegsende, dabei wird der Wenzelnberg wesentlich sein und Karl Bennert, der die völlige Zerstörung von Solingen-Wald mit verhinderte und die Aufklärung der Ereignisse dieses Ortes hier forcierte.
Den 8. Mai zum Feiertag erklären, wünschte Esther Bejarano, bevor sie als eine der letzten ZeitzeugInnen, KZ-Überlebende am 10. Juli 2021starb. Einige Städte z. B. Bochum unterstützen mit einer Gedenkveranstaltung für Esther Bejarano diesen Wunsch. Kann es einen bessern Grund für einen Feiertag geben, als das Kriegsende?
Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, so steht es in dem Schwur von Buchenwald.
Niemand hat das Recht Menschen zu töten.
Der Krieg in der Ukraine ist sofort zu beenden. Nichts rechtfertigt, den Tod, den Verlust der Lebensgrundlagen, erzwungene Flucht aus dem gewohnten Leben. Es muss andere Wege geben, auch wenn es stimmt, dass die Mitgliedsstaaten der Nato ihre Versprechen gebrochen, Waffen geliefert, Länder rund um Russland hochgerüstet haben. Der bewaffnete Angriff Russlands ist in jedem Fall zu verurteilen.
Jetzt sollten alle Beteiligten ihre ganze Kraft in die Beendigung dieses Krieges und der anderen Kriege setzen. Jede weitere Waffe erzeugt Eskalation, jede weitere Eskalation verstärkt die Gefahr der Ausweitung des Krieges. Niemand darf es wagen, den Einsatz atomarer Waffen zu riskieren. Diese sollten für immer geächtet und beseitigt werden.
Die Politik muss dringend für andere Konzepte sorgen, diese Vorstellungen haben die Teilnehmer der Ostermärsche 2022 eindrucksvoll bestätigt und zeigen Umfragen in der Bevölkerung, dass trotz ein durch unsere Medienverantwortlichen vermitteltes Bild der Zustimmung Menschen differenzierter denken und sich entsprechendes Handeln von der Politik wünschen.
Ebenso wollen wir das „Ja“ zum Sondervermögen von 100 Mrd im Sinne von Frank Werneke, Vorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft verdi, verstanden wissen. Ja, zu mehr öffentlicher Daseinsvorsorge. Es ist nicht zu verantworten, die nächsten Generationen, die Jugend für den Rest ihres und des Lebens ihrer Nachkommen zu verschulden, so dass lebenswichtige Maßnahmen nicht mehr finanziert würden, Bildung für alle ausgesetzt werden müsste, weil dafür kein Geld mehr vorhanden wäre.
„Und so werden sie in Büchern und ihren Kollegs, in ihren Kirchen und in ihren Lesezirkeln davon sprechen, wie heilig, wie notwendig und wie edel der Krieg ist, sie werden das Sterben der anderen loben und wie süß es sei …. Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein“
Kurt Tucholsky, „Die Verteidigung des Vaterlandes“ in die Weltbühne Nr. 40, 6. 10. 1921